Ärger um Mischmasch-Müll

von Redaktion

Papier, Bio & Co. in einem Laster – AWM klärt auf

Müllwerker laden sämtlichen Müll in ein Auto. Das ist laut AWM korrekt, weil der Abfall nicht gut getrennt wurde. © Dietl

Julian Dietl ahnte nichts Böses, als er frühmorgens mit seinem Sohn vom Kita-Fenster aus den Müllmännern an der Dachauer Straße bei ihrer Arbeit zuschaute. Doch wenig später fiel der 42-Jährige vom Glauben ab: „Ich musste mit Entsetzen feststellen, dass die alle drei Mülltonnen in dasselbe Fahrzeug gekippt haben!“ Unfassbar, findet der Vater – und schoss Fotos. „Da bemüht man sich, daheim den Müll ordnungsgemäß zu trennen und dann kommt alles in ein Müllauto!“

Was ist da los? Ist Dietl etwa schwarzen Schafen in Orange auf die Schliche gekommen? Auf Anfrage gibt eine Sprecherin des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) Entwarnung: Der Hausmüll der Münchner wird selbstverständlich getrennt nach den unterschiedlichen Fraktionen – Biomüll, Papier, Restmüll – abgeholt und entsprechend weiterbehandelt.

Trotzdem gibt es diese Mischmasch-Fuhren. Und zwar dann, wenn die Hausbewohner nicht brav ihren Müll trennen. Dann passiert es, dass Biomüll- oder Papiertonnen derart mit „Störstoffen“, wie etwa Plastik oder Restmüll verunreinigt sind, dass sie sich nicht mehr als Biotonne oder Papiertonne qualifizieren. So einen Fall hat „Müll-Detektiv“ Dietl beobachtet.

Was er auf die Distanz nicht sehen konnte: An der Tonnen hing ein „Fehlbefüllungszettel“. Dieser teilt den Hausbewohnern mit, dass Bio- und/oder Papiertonnen Restmüll enthalten. Wörtlich: „Da sich verschmutzte Bio- und Papierabfälle nicht wiederverwerten lassen, wird diese Wertstofftonne bei der Restmüllabfuhr geleert.“ Unschöne Folgen für den Biokreislauf. Und für die Bewohner. Denn im Gegensatz zur Wertstofftonne ist die Restmülltonne kostenpflichtig.

Die Reinheit von Bioabfällen und Altpapier ist wichtig – sie werden nicht einfach verbrannt, wie Restmüll. Aus Papier und Kartons entsteht neues Recycling-Papier. Der organische Müll wird derzeit zum Entsorgungspark Freimann in einer entsprechenden Behandlungsanlage zu hochwertigem Kompost verarbeitet und später als natürlicher Dünger eingesetzt. Diese Münchner Erde kann an Münchner Wertstoffhöfen und am Erdenwerk des AWM gekauft werden. Bei Vergärung und Kompostierung entsteht gleichzeitig wertvolle Energie.

Doch noch sammeln zu wenig Münchner ihren Biomüll. „Es landen leider noch immer zu viele Wertstoffe im Restmüll der Münchnerinnen und Münchner“, sagt die Sprecherin. Laut Zahlen des AWM sind es 30 Kilo pro Kopf im Jahr. Der bundesdeutsche Schnitt liegt bei 67 Kilo. Um die Müll-Muffel zum Trennen zu bewegen und damit die Restmüllmenge zu reduzieren sowie Recycling und Wiederverwertung zu fördern, fährt der AWM stadtweit Bio-Kampagnen. In Giesing werden im Rahmen eines Pilotprojekts verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Bioabfallsammlung getestet. Hierbei kommt auch KI zum Einsatz: Neue Kameras in Müllautos prüfen, ob zu viel Plastik in der Biotonne ist. Leuchtet ein Signal auf, hat sich die Tonne als Biotonne disqualifiziert – sie wird zur Restmülltonne. Wie an der Dachauer Straße. DANIELA POHL

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