MÜNCHNER FREIHEIT

Wortspiel-Wanderpokal

von Redaktion

Anfang dieses Jahrtausends gab es eine sonderbare Mode. Sobald eine einzige Silbe eines Wortes annähernd wie „har“ oder „her“ klang, fand sich dieses Wort im Namen eines Friseursalons wieder. Die Betriebe hießen plötzlich „Haar Moni“ oder „GmbHaar“, „Haireinspaziert“ oder „Hairberge“ – die Haarchitekten waren stolz auf ihre hairlichen Ideen, und alle lachten: „Haar! Haar! Haar!“ Mittlerweile sind derartige Wortspiele verpönt. Junge Menschen verdrehen die Augen angesichts der cringen Dad-Jokes. Und die Boomer sehnen sich zurück nach den Zeiten, da die Friseursalons so hießen wie ihre Betreiber. „Salon Kurz“ klang zwar nicht originell, kam aber auf den Punkt: Frau Kurz schnitt ihren Kunden darin die Haare kurz.

„Alberne Namen erfinden“ – es scheint ein Wettbewerb mit einem unsichtbaren Wanderpokal zu sein. Als Erstes gewann ihn die Verwaltung von IKEA. Dort suchte man nach Produktnamen, die schwedisch klingen sollten. Das Vorgehen ist nicht überliefert. Vermutlich schlug man den Duden auf und malte über jedes A, E, O oder U einfach zwei Punkte. Fertig war der Katalog. Der Wortspielpokal wanderte weiter zur Friseurinnung, Hashtag: Haarleluja! Kurz darauf übernahmen ihn die Bäcker, nämlich als es darum ging, für das explosionsartig wachsende Sortiment an Faschingskrapfen Namen zu finden. Erwachsene Männer erröteten, weil sie die süße Mini-Jobberin hinter der Verkaufstheke um „heiße Liebe“ bitten mussten.

Aktueller Preisträger im „Alberne Namen“-Wettbewerb sind die zahlreichen Frühstückscafés. Das Angebot ähnelt sich quer durch Deutschland. Frühstück bleibt Frühstück. Unterschiedlich sind lediglich die Bezeichnungen dafür: Wer ein Croissant mit etwas Marmelade will, der muss abhängig vom Etablissement mal Paris bestellen, mal Belmondo – und in der Nähe der Münchner Unikliniken ein „Physikum“, also: eine Prüfung im Rahmen des Medizinstudiums. Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, entdeckt man noch viel Luft nach oben: In der Kantine der Polizei ließen sich beispielsweise die Frühstücksteller „Fahrerflucht“ (schneller Espresso mit Mini-Hörnchen) oder „Hochrisikospiel“ (mit Blutwurst und Wunderkerzen) anbieten. Besonders raffiniert wäre auch ein Frühstück in Bahnhofsnähe mit dem Namen „Deutsche Bahn“. Das kommt nämlich verspätet – oder gar nicht.

Vergangene Woche saß ich mit meinem Freund Stefan in einem Frühstückscafé. Als die Kellnerin nach unseren Wünschen fragte, sah ich mich gezwungen zu antworten: „Für mich bitte die ‚natürliche Schönheit‘!“ Stefan klappte grinsend seine Karte zu: „Ui, das will ich sehen.“ Friseure würden sagen: „Solche Namen sind echt cutastrophal!“

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