Der Wildpark im Wohnzimmer

von Redaktion

Exotische Tiere – Erschütternde Funde in Münchner Apartments

Die Spornschildkröten aus der Auffangstation.

Die Kobra ist nicht für private Halter geeignet.

Puma-Dame Pele hatte Glück: Sie lebt jetzt in einem Tierpark. © Reptilienauffangstation (4)

Spektakulärer Gast: Der Albino-Alligator wurde vom Zoll am Flughafen entdeckt.

Dieser Fund war ein regelrechter Schock. Tote Spinnen, verwahrloste Giftschlangen, unterernährte Schildkröten und dazu noch zwei Weißbüschel-Äffchen: Sie alle entdeckten Tierschützer und Mitarbeiter des Veterinäramts vergangene Woche in einer Münchner Wohnung. Eine (zum Glück immerhin ungiftige) Schlange bewegte sich frei durch den Keller, in den Terrarien waren Kot und Schlangenhäute, lediglich das Wasser war frisch aufgefüllt. Für die Tiere herrschten verheerende Bedingungen. „Die Unterernährung war auf den ersten Blick ersichtlich. Es fehlten jegliche klimatischen Voraussetzungen oder Rückzugsmöglichkeiten“, berichtet Markus Baur, Leiter der Reptilienauffangstation. Sein Verein hat die 27 exotischen Tiere bei sich aufgenommen. „Wir tun alles dafür, dass die Tiere nun die Pflege und Unterbringung erhalten, die sie verdienen“, verspricht Baur. Zunächst werden sie in Quarantäne auf Parasiten und Viren untersucht.

Zwischen 2300 und 2500 Tiere leben derzeit in der Auffangstation. Darunter sind Schlangen, Schildkröten, Echsen, Spinnen, Krokodile, aber auch exotische Säugetiere wie kleine Äffchen. Bei Führungen kann man einige der Tiere kennenlernen. Jedes Jahr nimmt der Verein zwischen 1000 und 1300 Tiere in Not auf, heuer waren es bisher rund 330. Die meisten haben vorher sehr schlimme Erfahrungen gemacht.

So wie Puma-Dame Pele. Stark abgemagert kam sie 2022 in die Auffangstation – nachdem sie Polizisten bei einer Autokontrolle entdeckt hatten. Eingesperrt in einer Kiste brachte der Fahrer das Raubtier in einem Kleinwagen von Tschechien nach Deutschland. „Der junge Mann gab an, dass der Puma als Schmusekätzchen für seine Mutter gedacht war“, erzählt Jennifer Vogl von der Auffangstation. Die Geschichte hat ein glückliches Ende: Inzwischen hat Pele eine neue Heimat in einem Tierpark in der Steiermark gefunden.

Auch ein Albino-Alligator hatte Glück: Der Zoll hatte das Tier am Münchner Flughafen entdeckt. Eingewickelt in Frischhaltefolie und eingepfercht in einem Koffer wäre das Tier fast erstickt. „Auch ihm geht es jetzt gut“, berichtet Vogl. Er lebt ebenfalls in einem Zoo.

Oft ist es für die Auffangstation nicht leicht, eine neue Heimat für die Tiere zu finden. „Bei einer Vermittlung steht im Vordergrund, dass es das Tier in Zukunft besser hat“, erklärt Mitarbeiterin Jennifer Vogl. Sie appelliert: „Bevor man exotische Tiere hält, sollte man sich genau informieren.“ Habe ich genug Platz und genug Geld? Und kann ich das Tier auch langfristig versorgen? Das müsse man vorher klären. Bei Gefahrtieren wie bei giftigen oder besonders großen Schlangen (z. B. Tigerpython, Anakonda oder Kobra) und bei giftigen Spinnen braucht man in Bayern eine Genehmigung – die ist an viele Voraussetzungen gebunden und für Privatpersonen kaum zu bekommen.CLAUDIA SCHURI

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