Umringt von Anwälten: der Angeklagte Stefan Sanktjohanser (2. v. r.) auf der Anklagebank des Landgerichts. © Sigi Jantz
Vier Angeklagte und zehn Anwälte: Die Anklagebank im Landgericht München I war gestern rappelvoll. Die Protokollantin musste erst einmal nachfragen: „Wer ist hier eigentlich wer?“ Und auch die Zuschauertribüne war voll besetzt. Volles Haus am Landgericht – da ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten.
Das gilt auch für die Vorwürfe im Sympatex-Prozess gegen den bekannten Münchner Unternehmensberater Stefan Sanktjohanser (66) und drei weitere Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft München I wirft dem Quartett Betrug in 97 Fällen, versuchten Betrug in 180 Fällen und Untreue in 277 Fällen vor. Auch die Vorwürfe von Marktmanipulation und Falschaussage stehen im Raum.
Laut Anklage sollen die Angeklagten Anleger der bekannten Outdoor-Textil-Firma Sympatex 2017 um eine Million Euro betrogen haben. Die Anleger hatten im Jahr 2013 Sympatex-Anleihen für 13 Millionen Euro gezeichnet. Ende 2018 sollten sie ausbezahlt werden. Laut Staatsanwaltschaft hätten die Angeklagten rund um Sanktjohanser stattdessen geplant, die Anleihen im Geheimen zu einem viel günstigeren Preis zurückzukaufen – zu ihrem Vorteil.
Laut Anklage sollen sie den Anlegern deshalb weisgemacht haben, dass es Sympatex finanziell schlecht geht – um den Wert der Anteile zu drücken. Gleichzeitig sollen sie laut Staatsanwaltschaft behauptet haben, dass ein angeblicher Investor (Codename: „Weißer Ritter“) die Sympatex kaufen würde – dabei sollten die Anleger aber auf 90 Prozent ihrer Forderungen verzichten, obwohl die Anleihen deutlich mehr wert gewesen seien.
Dadurch sei den Anlegern ein Schaden von rund einer Million entstanden, so die Staatsanwaltschaft München I. Gleichzeitig sollen die Angeklagten den Großteil der Anleihen über ein undurchsichtiges Firmengeflecht selbst günstig aufgekauft haben, so die Anklage.
Dazu kommt: In dieser Sache laufen auch Zivilverfahren – es sollen einige Angeklagte vor Gericht falsch ausgesagt haben, so die Anklage.
Bis gestern die 54 Seiten lange Anklage durch den Staatsanwalt verlesen war, vergingen rund zwei Stunden. Danach unterbrach der Richter die Verhandlung sofort – damit Staatsanwaltschaft und Angeklagte über einen möglichen Deal sprechen können. Weil es so viele Beteiligte waren, führten sie diese Gespräche gleich im Gerichtssaal. Der Prozess soll am Montag, 7. Juli, fortgesetzt werden. THOMAS GAUTIER