Das historische Foto der Luftbilddatenbank Carls zeigt zahlreiche Bombeneinschläge auf dem Areal.
Mit Sand wurde das Loch an der Schwabinger Kraepelinstraße zugeschüttet, eine graue Ecke vor einer Betonwand: nichts mehr zu sehen, vom Großeinsatz der hier vorgestern stattgefunden hat, nachdem ein Bauarbeiter eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden hatte (wir berichteten). Doch ein mulmiges Gefühl bleibt. Denn zum einen wurde von dem 250 Kilo schweren Koloss nur ein Teil entdeckt und entschärft. Und zum anderen sind das Viertel und die ganze Stadt wohl immer noch explosiv – nur weiß niemand genau, wo. Historische Luftbilder von München zeigen jede Menge Krater und Einschläge. Ein Teil davon verursacht von Blindgängern, die damals nicht explodiert waren. Die bange Frage bis heute: Wie viele Bomben liegen hier noch?
Gegen 11.30 Uhr war am Mittwoch ein Bagger in der Kurve Kraepelinstraße/Bummstraße auf die Bombe gestoßen. Die Stadtwerke verlegen hier eine Stromleitung. Feuerwehr und Sprengmeister rückten an. Weil der Zünder noch aktiv war, mussten eine 150-Meter-Sperrzone eingerichtet und rund 400 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Die Einsatzkräfte errichteten Betonblocksteine, damit die Bombe entschärft werden konnte. Das übernahm die Kampfmittelräumungsfirma Tauber, gegen 21.40 Uhr gab‘s Entwarnung.
Die Erleichterung war groß – wird jetzt auch der zweite Teil gesucht? „Das muss der Auftraggeber entscheiden“, heißt es bei der Firma Tauber. „Das weitere Vorgehen wird derzeit geprüft“, erklären die Stadtwerke. Fakt ist, so das Innenministerium: Auch 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs holen Sprengstoffexperten Bomben, Granaten, Panzerfäuste und Patronenmunition aus dem Boden. Allein 2023 wurden rund 126 Tonnen Kampfmittel im Freistaat entdeckt. „Besonders dort, wo es Bombardierungen gab, muss auch weiter mit dem Auffinden von Blindgängern gerechnet werden“, so Innenminister Joachim Herrmann.
Wie das Foto der Luftbilddatenbank Carls zeigt, gibt es auf dem Areal etliche Bombeneinschläge. Genau wie an der S-Bahn in der Innenstadt, da die Alliierten vor allem Industrieanlagen und Verkehrsknotenpunkte bombardiert hatten. 47 Luftangriffe sind dokumentiert. Experten schätzen, dass 10 bis 15 Prozent aller Bomben als Blindgänger im Boden stecken.DARIO WEBER, MARTINA WILLIAMS