Am Telefon werden viele zum Opfer.
„True Crime“: Chefermittler Thomas Schedel im Gespräch mit einer Besucherin.
Sie jagen die Verbrecher: die Staatsanwählte Richard Caja (l.) und Maximilian Beer geben Tipps, wie man sich schützen kann. © Jantz, Thedens, McPhoto
Diese Zahl sagt alles: 11,51 Millionen Euro haben Schockanrufer und falsche Polizisten den Münchnern 2024 aus der Tasche gezogen. Im Kampf gegen Callcenter-Betrug arbeiten Polizei und Staatsanwaltschaft eng zusammen. An ihrer Seite: unsere Zeitung. Bei unserem großen „True Crime“-Abend haben die Experten erklärt, was am besten gegen die miese Abzocke am Telefon hilft.
Die Grundregel ist eigentlich ganz simpel. Nur hindert uns unsere Höflichkeit daran, ein Telefonat kurzum zu beenden, wenn ein Schockanrufer dran ist. Oder die Haustür einfach zu schließen, wenn ein Trickbetrüger davorsteht. „Am Telefon höflich zu sein, so wurden wir einfach erzogen“, sagt Michael Mergenthaler vom Kommissariat 105 für Prävention. Nur: Sobald wir uns von den Kriminellen in ein Gespräch verwickeln lassen, wird es gefährlich. „Die gehen auf die Psyche“, erklärt der Kriminalhauptkommissar. Seine Kollegin Peggy Winkler überraschte bei dem „True Crime“-Abend mit diesem Tipp: „Legen Sie sich eine Trillerpfeife neben das Telefon!“
Zum einen erinnert die Pfeife daran, dass es Betrüger gibt und Vorsicht geboten ist. Zum anderen helfe lautes Trillern ganz praktisch, wenn man sich in einem Gespräch gefangen fühlt! „Gesundes Mistrauen ist ihr Schutz“, betonte Mergenthaler. Sobald es auch nur den geringsten Zweifel gibt, sollte ein Gespräch abgebrochen werden. „Von der ersten Sekunde an.“ Die Schockanrufer erzählen gern, dass nach einem tödlichen Unfall nur eine Kautionszahlung notwendig ist. „Es gibt bei uns keine Kautionen“, sagte dazu Winkler. Die kennen wir nur von Hollywoodfilmen, was die Kriminellen ausnutzen. Und: „Bei uns muss niemand für ein Menschenleben zahlen“, sagte Mergenthaler. „Wir leben in Deutschland.“
Wie Chef-Ermittler Thomas Schedel erklärte, sind die Täter hochprofessionell. Menschen am Telefon zu verwirren, ist ein Leichtes für sie. Deshalb unterstrich auch Staatsanwalt Richard Caja von der Staatsanwaltschaft München I die Faustformel: „Einfach auflegen!“ Grundsätzlich würden weder Polizei noch Staatsanwaltschaft oder ein Bankmitarbeiter nach Geld fragen. Deshalb: Niemals Bares oder Gold an Fremde geben! Im Zweifel die 110 wählen und mit der echten Polizei sprechen. Auch sollten Angehörige und Vertrauenspersonen bei seltsamen Anrufen kontaktiert werden. Mit ihnen kann man auch ein privates Codewort ausmachen. Damit man im Fall der Fälle sicher ist.NADJA HOFFMANN