Prozess gegen Telefonbetrüger

von Redaktion

Der Anruf kam um 14.15 Uhr. „Ihr Sohn hat einen tödlichen Autounfall verursacht. Wenn Sie nicht sofort eine Kaution bezahlen, muss er ins Gefängnis“, berichtete ein angeblicher Kommissar – an seine ernste Stimme erinnert sich Renate W. (73, Foto) aus Planegg noch genau. „Als Nächstes hieß es, jetzt kann ich mit meinem Sohn sprechen. Aber ich hörte nur ein lautes Weinen. Und der Druck war enorm. Wie soll man denn so wissen, ob es wirklich der eigene Sohn ist?“, fragt sich die Seniorin.

Bis heute ist sie traurig und wütend, dass sie 11 000 Euro an Betrüger ausgehändigt hatte – im Glauben, sie müsse ihrem Sohn in einer Notlage helfen. Die Betrugsmasche des Schockanrufes kannte Renate W. sogar aus Zeitungsberichten. „Aber man denkt sich: Nur bei den anderen passiert so etwas. Und im Telefonbuch stehe ich nicht einmal.“ Dazu kommt: Die Betrüger erzählten der Seniorin, der Unfall sei in Ingolstadt passiert. „Und mein Sohn lebt tatsächlich dort.“ Vermutlich ein unglücklicher Zufall – denn bekanntlich klappen nur wenige der Betrugsversuche. Doch wenn, dann verlieren die Senioren oft ihr gesamtes Erspartes. Wie bei Renate W.: „Bei mir waren es 11 000 Euro. Alles, was ich hatte.“

Täter Jozef H. (29) entschuldigte sich gestern vor Gericht bei ihr. Ihn konnten Ermittler durch eine Schleierfahndung festnehmen – und durch Funkzellenauswertung als Teil einer Betrügerbande in Polen überführen. „Ein Beispiel hervorragender Polizeiarbeit“, lobte Staatsanwalt Maximilian Beer. Zu acht Jahren Knast war H. bereits in Polen verknackt worden. „Das Urteil zeigt, wie tief er in dieser Bandenstruktur steckt. Sie nehmen Senioren oft bis zum letzten Cent aus.“ Und reisen „gezielt aus dem Ausland nach Deutschland, um Straftaten zu begehen“, rügte Richterin Laura Fischer. Sie verurteilte den Betrüger zu drei Jahren und sieben Monaten Knast. THI/FOTO: SIGI JANTZ

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