Wie weit reicht unser Geld?

von Redaktion

Verkehrsmittel in München: Ein Test von der Stretch-Limo bis zum Leih-Rad

Dario W. und sein Rikschafahrer Christoph Wenter.

Auch die romantische Variante geht: Eine halbe Stunde Kutschenfahrt gibt‘s für 45 Euro. © Yannick Thedens

Mit 50 Euro kommt man etwa 16 Kilometer weit. Redakteurin Gabriele Winter mit Taxler Thomas Meinel. © Oliver Bodmer

E-Roller oder E-Fahrrad? Unsere Reporterinnen Wilma Johannssen (re.) und Shaila Beige machen den Test. © Achim Schmidt (2)

Die Auswahl an Verkehrsmitteln ist in einer Stadt wie München riesig. Von der Stretch-Limo bis zum Leih-Rad ist alles dabei, wenn auch nicht immer für jeden Geldbeutel. Mehrere Mitglieder unserer Redaktion haben sich auf den Weg gemacht und getestet: Wie weit kommt man mit 5, 20 oder 50 Euro?

■ Taxi

„Mit 5 Euro kommen Sie mit dem Taxi nirgendwohin“, lacht Thomas Meinel. Er fährt für die GenossenschaftTaxi München. „Die Grundgebühr beträgt schon 5,90 Euro. Mit 20 Euro würden Sie vom Hauptbahnhof bis zum Siegestor kommen und mit 50 Euro etwa 16,3 Kilometer weit, das ist nicht ganz bis Ottobrunn.“ Allerdings kann man inzwischen auch vorab den Festpreis für eine Fahrt vereinbaren.

■ Uber

Ein Uber-Auto bestellt man in der Regel über die App. Normalerweise ist schon vor der Fahrt klar, was es kostet. „Die Transparenz der Preise ist das, was sehr viele Menschen anspricht“, sagt Oliver Fritz, Pressesprecher bei Uber. Eine Fahrt vom Hauptbahnhof zum Marienplatz kostet zum Testzeitpunkt am Vormittags 8,96 Euro. „Die Preise variieren aber. Je höher die Nachfrage, desto teurer“, berichtet Fritz.

■ Zu Fuß & MVV

Mobilität ist oft eine Frage des Geldes. Vielleicht haben die Münchner deshalb in wirtschaftlich schweren Zeiten das Zufußgehen entdeckt. „33 Prozent aller Wege legte die Münchner Bevölkerung 2023 zu Fuß zurück – neun Prozent mehr als 2017. Auch Radler gibt es deutlich mehr als früher“, teilt das Mobilitätsreferat mit. Das Auto wird eher am Wochenende genutzt. Da nimmt dafür auch die Nutzung des MVV ab. Wobei man mit einer Tageskarte Innenraum für 9,70 Euro bis nach Karlsfeld oder Höllriegelskreuth kommt. Zuletzt war der MVV in den Schlagzeilen, weil ein Einzelfahrschein 4,10 Euro kostet – laut einer Untersuchung von „HousingAnywhere“ der höchste Preis unter den 54 größten Städten Europas. Der MVV kontert: Dafür sei in München die Monatskarte besonders günstig (etwa 68,40 Euro im Monat für Zone M). Und das Deutschland-Ticket für 58 Euro gibt‘s ja auch noch.

■ Rikscha

Man hat Fahrtwind, bleibt aber dank transparenter Abdeckung auch bei Regen halbwegs trocken. Auf den Sitzen vorne ist meist Platz für zwei Personen. Die Abrechnung läuft rein nach Entfernung: Wer zu zweit fährt, spart also Geld. Die zehnminütige Fahrt vom Königsplatz bis zum Hauptbahnhof kostet 20 Euro. Fahrer Christoph Wenter spricht von rund 7 Euro für den Kilometer. Er sieht die Vorteile des Rikschafahrens in der freien Sicht, der frischen Luft und den spannenden Informationen über München, die man vom Fahrer bekommen kann – ohne Aufpreis.

■ Kutsche

Romantiker können sich auch mit der Kutsche durch die Gegend fahren lassen.45 Euro kostet eine halbstündige Fahrt durch den Englischen Garten. Start ist in der Regel am Chinaturm. „Die Kutsche wird vor allem bei Hochzeiten oder Junggesellen-Abschieden genutzt“, erzählt Kutscherin Susi Schimmer. Der Nachteil: Man kommt nicht überall hin.

■ E-Leihrad

Frische Luft hat man bei Elektro-Rädern zum Ausleihen. Die gibt‘s in München von verschiedenen Anbietern, etwa von Lime. Dank Motor kommt man nicht so ins Schwitzen. Per Handy-App kann man alle Radl lokalisieren, die in der Nähe sind – und davon gibt es eine Menge in München. 27 Cent zahlt man pro Minute – unabhängig von der Distanz, die man zurücklegt. Bei unserer Testfahrt mit Fotostopps (23 Minuten, 768 Meter) stehen 6,21 Euro auf der Rechnung. Bezahlt wird per Kreditkarte über die App.

■ E-Leihroller

Ring, ring! Wenn man einen E-Roller von Lime per Handy-App ausleiht, gibt das Gefährt ein Klingelgeräusch von sich. Dann kann die Fahrt losgehen. Die Roller brauchen einen kleinen Schubser zum Losfahren. Danach können sie richtig schnell werden. So legt man zügig Strecke zurück. Eine praktische Alternative für diejenigen, die zu Fuß nicht gut unterwegs sind. Allerdings nur, wenn es der Geldbeutel zulässt. Denn die Preise für den Scooter haben es in sich: Für unsere19-minütige Testfahrt (681 Meter) werden zum Beispiel 6,13 Euro fällig. Die setzen sich zusammen aus einem Euro Startgebühr und 19 mal 27 Cent. Dabei gilt: Wer schneller fährt und/oder seltener stehen bleibt, kommt weiter, zahlt aber in der gleichen Zeit den gleichen Preis.

■ Carsharing

Rund 22 Prozent der Münchner Bevölkerung nutzt dieses Modell. Hat man keinen Vertrag mit Stattauto, kann man auf andere Anbieter zurückgreifen, von denen es etliche gibt. Mit Miles zum Beispiel kommt man für 79 Cent einen Kilometer weit. Braucht man das Auto länger, lassen sich ähnlich wie bei Free2move Stunden- oder Tagestarife reservieren. Dort kostet eine Stunde durchschnittlich 16 Euro (plus 24 Cent pro Kilometer), ein Tag kostet 44,99 Euro (60 Kilometer inklusive). Das sind die Tarife für einen Mittelklasse-Wagen wie den Peugeot 208.

■ Eigenes Auto

Besitzt man selbst so einen Peugeot 208 oder ein ähnliches Auto, kommt man mit 50 Euro knapp 500 Kilometer weit. Allerdings: Das sind nur die Spritkosten – Auto-Kaufpreis und Unterhalt nicht eingerechnet. Mit diesen Fixkosten sieht die Bilanz nicht mehr so sparsam aus. Ein eigenes Auto lohnt sich nach Meinung diverser Experten erst, wenn manmindestens 10 000 Kilometer im Jahr damit fährt. Wer sich dagegen fahren lassen will, für den gibt‘s in München verlockende Angebote, zum Beispiel eine Tour mit der Stretch-Limo. Dieist bei einem Budget von 50 Euro aber nicht drin: Los geht‘s bei 100 Euro pro Stunde. GW, SB, WJ, DAW