Kampf um die MVV-Karte

von Redaktion

Politik und Bürger protestieren gegen Aus für Papier-Tickets

Kritiker wollen das analoge Ticket, das man abstempeln muss, erhalten. © Oliver Bodmer

Bewährt: Viele Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel verwenden die Streifenkarte. © imago

Ist der Zug für die Streifenkarte bald abgefahren? Nach der Ankündigung des MVV, das beliebte Papierticket für U-Bahn, Bus, Tram und S-Bahn abschaffen zu wollen (wir berichteten), macht sich Protest breit. Verschiedene Vertreter aus Politik und Gesellschaft fordern den Erhalt des analogen Tickets. Wie berichtet, wollen die Chefs von MVV und MVG die Streifenkarte langfristig durch digitale Angebote ersetzen, sprechen von einem „Auslaufmodell“.

OB Dieter Reiter (SPD) äußerte sich gestern im Gespräch mit unserer Zeitung kritisch zu diesen Plänen. Zwar bestätigt Reiter, dass Fahrkartenautomaten teuer und wartungsintensiv seien – da geht‘s um Millionen. Deshalb würden die Nahverkehrs-Bosse Bernd Rosenbusch (MVV) und Ingo Wortmann (MVG) gern drauf verzichten: Sie bauen stattdessen auf digitales Bezahlen per Handy (bei der MVG heißt das „Swipe & Ride“). Aber so einfach wird‘s nicht. Denn Reiter sagt auch: Allein im vergangenen Jahr seien 3,2 Millionen Streifenkarten verkauft worden. „Es ist nicht irgendein Nischenprodukt, sondern ein zentrales Ticket für den MVV. Und deswegen glaube ich tatsächlich, dass wir nicht so einfach die Streifenkarte abschaffen können.“

Auch Fahrgastvertreter verweisen auf den hohen Stellenwert des Papiertickets. „Die Streifenkarte ist etwas Bewährtes. Wir fänden es schlecht, wenn sie wegfiele“, so ein Sprecher von „Pro Bahn“. Mit dem Angebot kämen diejenigen, die regelmäßig, aber nicht täglich fahren, günstiger weg als per D-Ticket (58 Euro), Tagesticket (9,70 Euro) oder Einzelticket in Zone M (4,10 Euro). 17,80 Euro kostet eine Streifenkarte à zehn Streifen. Für eine Fahrt in Zone M muss man zwei Streifen stempeln (3,56 Euro). Wer nur einmal die Woche in der Stadt unterwegs sei, etwa einen fixen Termin habe, fahre mit Streifenkarte am besten.

Auch beim Seniorenbeirat ist man alarmiert. Ältere, aber auch solche, die sich bewusst von digitalen Angeboten fernhielten, dürften nicht abgehängt werden. „Es geht nicht, die Streifenkarten einfach so abzuschaffen. Grundsätzlich muss, wenn etwas Digitales eingeführt wird, auch der analoge Weg mitgedacht werden“, fordert die stellvertretende Seniorenbeiratsvorsitzende, Elisabeth Robles Salgado.

Beim VdK sieht man das ähnlich. „Betroffen sind vor allem Ältere, Armutsbetroffene und teilweise Menschen mit Behinderung, die auf den MVV besonders angewiesen sind und ihn uneingeschränkt nutzen möchten. Auch für Kinder und Jugendliche ist die Streifenkarte oft die einfachste Möglichkeit, mobil zu sein. Ausgerechnet die einzige Sparmöglichkeit für diejenigen abzuschaffen, die auf analoge Tickets angewiesen sind, ist unsozial“, kritisiert Claudia Spiegel vom VdK Bayern. DANIELA POHL, SASCHA KAROWSKI

Artikel 6 von 7