Dominik Brunner wurde 2009 ermordet.
Der Angeklagte Markus S. vor Gericht. © SIGI JANTZ
Er nahm Kokain und rauchte Cannabis, meldete sich weder bei seinem Bewährungshelfer noch bei der Polizei – das kommt Markus S. (34) nun teuer zu stehen: Das Amtsgericht verurteilte den Mörder von Dominik Brunner am Freitag zu einer Geldstrafe über 10 500 Euro, weil S. fünf Mal gegen die Auflagen seiner Führungsaufsicht verstoßen hatte. Diese Maßnahme ist für schwere Gewalttäter gedacht, die der Staat auch nach ihrer verbüßten Haftstrafe unter Kontrolle halten will.
Neun Jahre und zehn Monate hatte Markus S. nach dem Mord an Dominik Brunner 2009 im Jugendknast gesessen. Mitte Mai 2019 wurde er entlassen. Direkt danach wurde er für fünf Jahre noch unter Führungsaufsicht gestellt – und musste strenge Auflagen erfüllen, unter anderem eine elektronische Fußfessel tragen. Dazu striktes Alkohol- und Drogenverbot. Doch dagegen verstieß er mehrfach. Nur sechs Wochen, nachdem S. wegen Mordes freikam, erwischte ihn die Polizei besoffen in einer Münchner Disco. Die Strafe von drei Monaten musste er im März 2024 sogar noch in der JVA Aichach absitzen, wie nun vor Gericht herauskam. Wegen weiterer Verstöße, brummte ihm das Landgericht Ende 2021 mehr als 5000 Euro Geldstrafe auf.
„Bis Ende 2022 war er unauffällig“, sagt sein Bewährungshelfer aus. Danach fiel Markus S. aber in ein Loch: Er verlor seinen Job, seine Freundin und wurde krank. Die Folge: Ende 2023 wies eine Urinprobe Kokainkonsum bei ihm nach, in den Monaten danach hielt er sich nicht mehr an die Kontaktregeln mit den Behörden. „Ihm war zu dieser Zeit alles egal“, kritisierte der Staatsanwalt – und forderte acht Monate Knast für Markus S., die aber zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.
„Diese erneuten Verfehlungen hätten nicht passieren dürfen, aber er hat sie eingeräumt“, sagte Verteidiger Bernd Scharinger. Er konnte nachweisen, dass Markus S. zwar eine Lebenskrise hatte – er sich aber gefestigt habe, beruflich und privat. Busselnd mit seiner Freundin sah man den Brunner-Mörder am Freitag auf dem Gerichtsflur – angeblich planen beide eine Familie. Sein Chef lobt ihn schriftlich als „Leistungsträger“, der freundlich und empathisch auftrete und „in kürzester Zeit ist er zu einer tragenden Säule des Unternehmens geworden“ sei. Dennoch werde der Mord von 2009 „ihn sein Leben lang verfolgen“, sagte Scharinger.
Auch die Staatsanwaltschaft sah die positive Lebensentwicklung von Markus S. Seine Führungsaufsicht wurde deshalb nicht unbefristet verlängert, sondern war bereits voriges Jahr ausgelaufen – die Taten fallen aber noch in den Kontrollzeitraum.
„Ich bin kein krimineller Mensch mehr“, sagt S. über sich selbst – tatsächlich wirkt er viel weniger aggressiv als noch bei seinen Prozessen 2021. „Mein Charakter hat keine Züge mehr, die der Gesellschaft schaden oder Gesetze brechen“, beteuerte S. vor dem Urteil. Das hatte es dann aber in sich: Richterin Götz verhängte 210 Tagessätze zu je 50 Euro. Sie mahnte, wohin sich S. künftig bewegen solle – „nämlich auf den richtigen Weg.“ ANDREAS THIEME