Bier-Bann gegen den Ballermann

von Redaktion

Feier-Alarm im Univiertel – Jetzt greift das Kreisverwaltungsreferat durch

Müll an einer Bushaltestelle an der Schellingstraße. Späti-Betreiber Aktham Jondi Madoor hat ein Schreiben vom KVR bekommen. © Markus Götzfried, privat

Nächtliches Partytreiben im Univiertel – hier in der Türkenstraße. © SIGI JANTZ

Ohrenbetäubender Lärm bis 5 Uhr früh, Scherben, Müll und Erbrochenes vor der Eingangstür. Wie wir berichteten, kämpfen die Anwohner des Univiertels in der Maxvorstadt gegen Zustände wie am Ballermann. Vor knapp zwei Wochen hat eine Bürgerinitiative im Rathaus 400 Unterschriften gegen die Partymeile abgegeben. Jetzt hat das Kreisverwaltungsreferat (KVR) reagiert. Fünf Spätis, also Nacht-Kioske, sollen nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen dürfen, ein gastronomischer Betrieb außerdem danach keinen Alkohol mehr zum Mitnehmen.

Die Beschwerden der Anwohner über die Partygäste rund um die Kioske deckten „sich mit den Beobachtungen der Bezirksinspektion und der zuständigen Polizeiinspektion vor Ort“, erklärt das KVR die Maßnahme gegenüber unserer Zeitung. „Die Regelungen zum Lärmschutz und zur Abgabe von Flaschenbier nach Ladenschluss betreffen grundsätzlich das gesamte Stadtgebiet. Einschränkende Auflagen zur Verkaufszeit macht die Stadt aber nur bei Beschwerden und Verstößen gegen die Regeln.“ Sowohl zuvor verhängte Bußgelder, polizeiliche Anzeigen als auch städtische Aktionen des Allparteilichen Konfliktmanagements (AKiM) und der Moderation der Nacht (MoNa) hätten nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Die Wirkung der Maßnahmen werde fortlaufend evaluiert und, falls erforderlich, entsprechend reagiert.

Die Anwohner sind nun erleichtert. Thomas Schmid, der auch für die CSU im Stadtrat sitzt, und unter anderem genau diese Maßnahme gefordert hatte (wir berichteten), sagt: „Das ist ein guter Ansatz, aber nun muss nachgelegt werden. Auch die Gaststätten sollen ab 22 Uhr keinen Alkohol to go mehr verkaufen dürfen.“ Er betont, die Anwohner würden nicht den Spaß verbieten wollen. „Deshalb sind wir ja auch hierher gezogen. Es geht vorallem darum, dass die Party seit diesem Jahr bis in die Morgenstunden geht.“

Auch die Bezirksausschuss-Chefin Svenja Jarchow-Pongratz (Grüne) sieht dieses Verbot nur als Anfang. „Das ist ein überlegter und guter Schritt des KVR. Aber auch das Thema Müll muss angegangen werden – da sind aber auch die Gaststätten mit ihren Einwegverpackungen für Getränke gefragt.“ Angelo Ciletti vom benachbarten Schall & Rauch sagt: „Wir versuchen alles, um die Situation zu verbessern, haben etwa Securities vor der Tür und verkaufen freiwillig keine Getränke to go mehr“, sagt er. Dass die Spätis nicht auf ihre Kunden achten würden, sei „unfair“.

Viele Partygänger werden das Verbot nicht gerne sehen – sind die Getränke am Späti doch meist günstiger als im Lokal. In anderen Großstädten wie Berlin sind Spätis ein fester Bestandteil des Nachtlebens. In München hat es lange gedauert, bis es überhaupt mehrere Nacht-Kioske gab. Und damit soll jetzt schon wieder Schluss sein? Die betroffenen Späti-Betreiber wie Aktham Jondi Madoor (27) vom Cafekiosk in der Schellingstraße jedenfalls sagen, sie müssten nun um ihre Existenz fürchten. „Den Kiosk gibt es seit einem Jahr und ich habe ihn vor zwei Monaten übernommen. Jetzt weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Ich muss 5000 Euro allein für die Miete zahlen. Den größten Teil dafür verdiene ich ab 22 Uhr. Wenn ich jetzt nach 22 Uhr Bier verkaufe, muss ich mit 10000 Euro Strafe rechnen. Dabei stehen die meisten Menschen vor den Bars und nicht bei uns. Ich würde mich auf einen Kompromiss bis Mitternacht einlassen. Aber so kann ich nicht überleben.“ NINA BAUTZ, MARIE-THERES WANDINGER

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