Er ver-tuscht München

von Redaktion

Der Berliner Heiner Radau zeichnet die Stadt in Schwarz-Weiß

Das Lichtspiel in der U-Bahn-Station Westfriedhof.

Die Alte Utting hat den Berliner begeistert.

Geprägt von Streetart und Comic: Abzüge des Künstlers kann man auch online kaufen. © Pamela Ahenke

Bei der Arbeit auf dem Marienplatz: Heiner Radau sprach Neugierige an, was man in München unbedingt gesehen haben muss. © Radau (3)

Heiner Radau ist 37 Jahre jung und reist seit zehn Jahren kreuz und quer durch die Welt. Seine Mission: Jede Stadt einen Monat lang unter die Lupe nehmen – und sie dann mit Papier, Feder und Tusche verewigen. Der Berliner hatte als Textildesigner angefangen, ist unter anderem geprägt von Streetart und Comic – speziell der japanischen Manga-Kultur – und war einen Monat bei uns unterwegs. Er ver-tuscht München.

„Ich hatte als Berliner so meine Vorurteile, doch ich bin froh, über meinen eigenen Schatten gesprungen zu sein. München ist eine tolle Stadt und war eine meiner besten Zeichenreisen überhaupt“, schwärmt Heiner Radau. Der Nachname (Betonung auf der ersten Silbe) ist übrigens kein Künstlername. Auf www.heinerradau.de kann man etliche Bilder, Videos und mehr abrufen. Ganz frisch digital aufbereitet jetzt auch sein München-Wimmelbild, das im Original 80 x 80 Zentimeter groß ist. Ein Abzug kostet 400 Euro ohne und 480 Euro mit Rahmen. Im Format 50 mal 50 Zentimeter zahlt man 256 Euro.

Etwas hat uns allerdings verwundert: Der Zeichner mochte den Odeonsplatz überhaupt nicht. „Ein großer leerer Platz, der hat mich gar nicht inspiriert.“ Warum das? „Ich komme aus der Graffiti-Szene, ich suche immer urbanes Feeling“, beschreibt es der Berliner. Dass nicht jeder Strich hundertprozentig sitzt, ist Radau bewusst, nimmt er aber in Kauf, denn: „Ich male grundsätzlich im Freien bei Wind und Wetter.“

Los ging Heiners Reise durch München beim Bahnwärter Thiel. „Darauf hatte mich eine Freundin aus Frankreich gebracht, die mit ihrem Kind hier in München lebt und mit der ich eine WG eröffnen konnte. Ein AirBnB-Zimmer in München war teurer als in New York“, erinnert sich der Berliner. Also auf ins Schlachthofviertel. Die Anlage hat ihn ebenso begeistert wie die Alte Utting, das Schiff auf der Brücke. „Geile Orte, total genial!“

Nach Station Nummer eins ließ sich der Zeichner treiben. Er fragte Neugierige, die ihm über die Schulter schauten nach Plätzen, die man unbedingt besucht haben muss. So ging es von einem Ort zum anderen. Wie etwa zum Eisbach. „So etwas ist weltweit einmalig. Die Community ist total entspannt, man kommt leicht in Kontakt.“

Das Zeichnen war schwierig, weil die Surfer ja immer nur ein paar Sekunden auf dem Brett stehen. Aber dafür war’s am Viktualienmarkt umso gemütlicher, zumindest am zweiten Tag. „Da hatte ich aus Tag eins gelernt und bin früh hin zum Zeichnen.“ Denn an Tag eins saß er direkt neben den Mülltonnen, so voll war es, und die Tauben zielten mit ihren Hinterlassenschaften zentimeterbreit neben den Künstler und sein Werk.

Weitere Highlights: „Der Englische Garten. Ein Hammer, junge Menschen sporteln und laufen herum wie am Badestrand.“ Vom Volleyballspielen hat er sich einen Sonnenbrand geholt. Und im Untergrund ein Zufallstreffer, die U-Bahnstation Westfriedhof. „Da bin ich spontan ausgestiegen, als ich das Blau gesehen habe.“ Ingo Maurers Lichtdesign hat ihn geplättet. Ist es nicht schade, dass Radau grundsätzlich schwarz-weiß arbeitet? „Das ist nun mal mein Konzept. Klar tut das ein bisschen weh, wenn man so fantastische Lichtspiele sieht. Doch auch die Verjüngung der riesigen Lampen den Bahnsteig entlang ist schon spektakulär.“

Wie auch das architektonische Highlight: das Olympiastadion und der Olympiapark. „Unglaublich, diese Zeltdach-Konstruktionen, einfach toll! Und Tollwood war auch gerade, die Atmosphäre, die Location – eine ganz eigene Welt.“MATTHIAS BIEBER

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