Kundin Alexandra D. mit Matcha vor dem neuen Café.
Die legendäre Fassade jetzt mit mintgrünen Akzenten.
Die Ex-Kinobetreiber Fritz und Christoph Preßmar im Saal des Filmtheaters. © Yannick Thedens
Chef Max Kamp mit Matcha und Kaffee vor der historischen Theke des Kinos. © Marcus Schlaf (3)
Die legendäre Fassade am Sendlinger Tor leuchtet jetzt mintgrün! Und grün sind auch so manche Getränke der Gäste, die aus dem Laden kommen. Wo jahrzehntelang Filmplakate hingen und für eines der ältesten Kinos Münchens warben, prangt jetzt ein neuer Schriftzug: „plex“. Es ist das Logo des Cafés, das am Wochenende hier eingezogen ist. Im Foyer des ehemaligen Sendlinger-Tor-Kinos werden jetzt Kaffee, Matcha (das grüne In-Getränk) & Co. serviert. „Wir wollen diesem historischen Ort neues Leben einhauchen“, sagt Geschäftsführer Max Kamp (25).
Wie historisch der Ort ist, sei ihm beim Umbau für sein Café erneut bewusst geworden: „Es haben stündlich Leute hier geklopft und gefragt, ob das Kino wieder aufmacht“, erzählt er. Er musste sie enttäuschen – und das habe ihm irgendwie fast leidgetan, sagt er.
Zur Erinnerung: Anfang des Jahres flimmerte zum letzten Mal ein Film über die Leinwand am Sendlinger Tor. Nach 112 Jahren schloss das Kino. Nach langem Rechtsstreit mit den Eigentümern musste der Betreiber ausziehen. Max Kamp will jetzt ein neues Kapitel aufschlagen, zumindest für rund ein Jahr. So lange ist die Zwischennutzung des Foyers als Café vorerst angedacht. „Ich fand das Projekt sofort spannend“, sagt er. Viel verändern will er nicht an der historischen, denkmalgeschützten Kulisse: Die alte Holztheke, die pfirsichfarbenen Wände, die Vitrinen mit Goldrahmen und die historische Popcorn-Maschine – vieles soll bleiben, wie es war. Letztere will Kamp sogar wieder aktivieren und Popcorn zum Kaffee anbieten.
Das gibt es in seinen anderen Filialen nicht – es ist nicht sein erstes Café in München. Vor rund einem Jahr startete er das Projekt mit einem Freund in der Türkenstraße (Maxvorstadt). Mittlerweile gibt’s drei weitere Filialen. Die Idee: Kaffee, Chai und Matcha zu fairen Preisen. Ein Espresso kostet 1,50 Euro, ein Americano zwei. Der Matcha-Latte ist für vier Euro im Angebot. Für die Gäste gibt es einen kleinen Sitzbereich, außerdem dürfen sie die Tische vom benachbarten Giesinger mitnutzen.
Die Kunden finden es gut – wie Alexandra D. (44): „Mein Herz blutet zwar, dass es das Kino nicht mehr gibt, aber immerhin verwaisen die Räume so nicht.“ Voraussichtlich Anfang September will Kamp in dem Café auch Kurzfilme zeigen – jedoch nicht im Saal, sondern im hinteren Bereich des Foyers. Was mit dem Saal passieren soll, weiß er nicht.
Und was sagt der frühere Kino-Betreiber Fritz Preßmar (80) dazu? „Für mich ist das Kapitel beendet.“ Ein wenig schmerze es aber noch, dass es diesen historischen Ort so nicht mehr gibt. J. LIMMER, D. POPA