In den Gewölben unter den Brunnen erfolgte vor zwei Jahren eine umfassende Sanierung. © Markus Götzfried
Der Mann am Steuer: Matthias Fahrmeir ist der Herr über die Brunnen an der Ludwigstraße. © Marcus Schlaf
So haben wir uns die Sommerferien vorgestellt! Sonne satt beim Urlaub daheim – besonders am Wasser. In der heutigen Folge unserer Sommer-Serie geht’s zu den Schalenbrunnen an der LMU.
Wenn Matthias Fahrmeir (49) von den ikonischen Schalenbrunnen erzählt, die sich auf den Plätzen vor der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) gegenüberstehen, gerät der Leiter des Dezernats für Liegenschaften und Technik an der LMU ins Schwärmen: „Ich verwalte 125 Gebäude, aber die Brunnen gehören zu den besonderen Schmuckstücken. Sie sind sowohl ein Wahrzeichen für die Universität als auch für die Stadt München, weil sie den Charakter der beiden Plätze entlang der Ludwigstraße prägen – und weil sie einfach schön sind.“
Errichtet wurden die klassizistisch geprägten Brunnen zwischen 1840 und 1844 nach dem Entwurf des Münchner Architekten Friedrich von Gärtner auf Geheiß König Ludwigs I., der sich maßgeblich in die Gestaltung der Ludwigstraße und den Bau der Universität einbrachte. Da die Brunnen auf dem Petersplatz in Rom Gärtners Entwurf als Vorbild dienten, wird das Brunnenpaar auch mit dem Titel „Römische Brunnen“ bezeichnet.
„Es heißt, dass König Ludwig die Brunnen, die ,sein‘ Gärtner gemacht hat, viel besser gefallen haben als die Originale“, schmunzelt Fahrmeir über die Legende des schlauen Königs: „Damals mussten alle Einrichtungen, die an der neu gestalteten Ludwigstraße lagen, darunter auch die Universität, ihre Gebäude selber finanzieren. Nur die Brunnen hat der König gezahlt – bis er merkte, dass deren Unterhalt auch was kostet. Nach nur vier Jahren hat er sie dem Staat geschenkt.“
Fahrmeir ist seit 2010 mit seinem Team für die Prachtexemplare zuständig und hat auch deren aufwendige Restaurierung vor zwei Jahren begleitet. Seitdem weiß er, wie sehr die Münchner die hellgrünen Wasserspeier lieben: „Jedes Jahr erreichen mich in der Winterpause unzählige Anfragen, wann das Wasser in den Brunnen endlich wieder angestellt wird. Das war auch während der Restaurierungsphase so – die Brunnen haben den Bürgern sehr gefehlt.“
Damit die Denkmäler funktionstüchtig bleiben, werden sie regelmäßig gewartet und gereinigt. „Es landet immer mal wieder Abfall in den Becken. Während der Pandemie war es besonders schlimm, da waren die Brunnen ein riesiger Mülleimer für alle Partys. Ich fand das unglaublich schade“, erzählt der gebürtige Münchner, der inzwischen ebenfalls weiß, wie wichtig die Brunnen für das Mikroklima in der Stadt sind: „Das haben wir 2022 gelernt, als die Brunnen im Zuge der Strompreiskrise ausgeschaltet waren. Wenn sie sprudeln, erhöht sich die Luftfeuchtigkeit und die umliegenden Plätze bleiben kühler. Zwar geht dabei auch Flüssigkeit verloren, die versprüht wird, aber grundsätzlich wird immer das gleiche Wasser umgewälzt.“
Für den Dezernatsleiter steht jedenfalls fest, dass erst die Brunnen die Plätze vor der Uni zum beliebten Aufenthaltsort für Studenten machen: „Ohne sie wäre das nur eine Wiese neben einer vierspurigen Autobahn“. Dass auch schon Menschen in Badehose in den Brunnen gesichtet wurden, weiß Fahrmeir allerdings nur vom Hörensagen…
Auf eines jedoch freut er sich heuer besonders: Anlässlich einer Feier zum Jahr der Quantenphysik sollen die Brunnen erstmals durch die neu installierten LED-Farbstrahler illuminiert werden. „Ich wünsche mir, dass die Brunnen in Zukunft in viele weitere Feierlichkeiten von Uni und Stadt eingebunden werden“.ULRIKE KREMER