MÜNCHNER FREIHEIT

K.o., KI und die Sache mit dem Deckel

von Redaktion

An Problemen hat es noch nie gefehlt. In endloser Folge prasseln sie auf uns ein, und gefühlt werden es immer mehr. Wie gut, dass in der Flut der täglichen Nachrichten oft auch die Lösung versteckt ist. Man muss nur zusammenbringen, was zusammengehört. Am Dienstag beispielsweise berichtete diese Zeitung von wachsenden Problemen mit K.-o.-Tropfen, und wenige Seiten weiter erfuhr ich, dass VW das autonom fahrende Auto zur Serienreife bringen will.

Jetzt ist deutsche Ingenieurskunst gefragt! Wer einem Auto beibringen kann, woran Heerscharen von Fahrschülern (und noch mehr Führerscheinbesitzer) scheitern, nämlich ein Auto sicher und regelkonform durch den Verkehr zu steuern, der sollte auch in der Lage sein, die Gastronomie mit K.o.-Tropfen-sicheren Trinkgefäßen zu beliefern. Ich denke da an Bier- und Cocktailgläser mit Deckel, der sich nur öffnet, wenn die per Fingerabdruck identifizierte Hand der rechtmäßigen Trinkerin beziehungsweise des rechtmäßigen Trinkers das Glas zum Mund führt. Vorbei wär’s mit heimlich ins Getränk geträufelten Drogen. Ein Blick in die Preis-Spalte einer beliebigen Getränkekarte legt nahe, dass es an den Kosten nicht scheitern wird. Eher an jenem ungeschriebenen Gesetz, wonach alles, was technisch machbar ist, auch gemacht wird, ob man’s braucht oder nicht.

Dieses Gesetz hat uns Handys beschert, deren Kamera auf Chips mit atemberaubender Pixel-Zahl Details aufnehmen, die die Winzlings-Linse überhaupt nicht erfasst hat. Und Küchengeräte, mit denen man fast so viel Zeit spart, wie man hinterher zum Saubermachen braucht. Oder zuletzt KI-gestützte Suchmaschinen, die aus den Tiefen des Internets Erkenntnisse zutage fördern, zu denen ich aus eigener Kraft nie gelangt wäre. Ich warte allerdings noch auf die Wahlmöglichkeit, ob ich die Antwort haben will, die haarscharf an meiner Frage vorbeigeht, oder jene, die gut klingt, aber frei erfunden ist.

Zurück zum Cocktailglas. Wenn es erst einmal einen Deckel hat, auf dessen Rand die KI als Türsteher sitzt, werden Begehrlichkeiten wachsen. Der Jugendschutz wird nach einer Altersprüfung rufen, damit kein Teenager sich mehr seinen Rausch erschummeln kann. Autofahrer werden damit rechnen müssen, dass das Bierglas petzt und der Autoschlüssel sich gegen die Heimfahrt sperrt. Und über kurz oder lang würde die KI entscheiden, wann ein Trinker oder eine Trinkerin genug hat. Das mag auf den ersten Blick vernünftig klingen, doch es würde eine ganze Generation junger Menschen und die von ihnen abhängige Industrie ins Verderben stürzen: Junggesellen- und -gesellinnenabschiede wären unter dem strengen Blick der KI-Gouvernanten gar nicht mehr denkbar. Und die eine oder andere Familien- oder Firmenfeier wäre nicht auszuhalten.

Es wird wohl so schnell nichts werden mit KI gegen K.o. Es bleibt uns nur, aufeinander und aufs eigene Glas aufzupassen. Und wenn so ein Tropfen-Ganove auf diese Weise mittels natürlicher Intelligenz erwischt wird, soll ihm die Justiz ordentlich eins auf den Deckel geben.

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