Mit Vollgas in den Riemer See

von Redaktion

Zivilcourage: Ersthelfer schieben Auto zurück ans Ufer

Thomas Schneider (Foto rechts) war zu Stelle, bis die Hilfe kam. Der Toyota wurde mit einer Seilwinde geborgen und dann abtransportiert. © Gaulke, Feuerwehr, Google Earth

Der Toyota trieb nach der Irrfahrt im Riemer See.

Thomas Schneider ist sichtlich aufgewühlt. Kopfschüttelnd blickt er aufs Wasser, an eine Stelle hinter den Bojen, wo der See metertief ist. Vor Kurzem hat der 56-Jährige hier einem Mann das Leben gerettet. Er trieb in seinem Auto im Wasser. Der Wagen war mit Vollgas in den See geschossen. „Es war wie im Actionfilm – total surreal!“

Mittwochfrüh, gegen 6.30 Uhr. Schneider war schwimmen. Plötzlich sieht er einen Kleintransporter die Rampe zur Wasserwacht am Nordufer des Sees runterbrettern. „Ich habe zuerst gedacht, dass der vielleicht die Mülleimer ausleeren will. Aber er war so schnell, dass es gestaubt hat.“ Auf dem Grünstreifen fährt das Auto erst einige Meter auf dem Rasenstreifen neben dem Ufer weiter. „Ich habe gedacht, jetzt hat er es überrissen.“ Doch der Toyota brettert einfach weiter. „Er hatte so viel Schwung, dass er neben der Begrenzung ins Wasser reingeschossen ist. Das Auto hat es richtig rein katapultiert.“

Weil er so schnell war, sei der Wagen nicht gleich untergegangen. „Er ist gut 100 Meter im Wasser getrieben.“ Überraschend weit, gefährlich weit. Denn hinter den Bojen wird es direkt tief. „Da geht es zwischen drei und fünf Metern runter“, sagt Schneider, der die Gefahr sofort erkannte. Er zögerte keine Sekunde, schwamm zurück zum Ufer, lief auf Höhe des Autos und sprang erneut in den See. „Das Auto war schon in Schieflage.“ Verzweifelt versuchte er, die Türen zu öffnen, „aber alle waren zu“. Er klopfte wie wild ans Fenster, „der Fahrer war nicht ansprechbar“.

Zwischenzeitlich waren zwei weitere Schwimmerinnen auf die Notlage aufmerksam geworden und halfen Schneider, den Toyota wie ein Boot näher ans Ufer zu schieben, bis die Räder wieder auf sicherem Grund standen.

Eine Passantin hatte mittlerweile die Rettungskräfte alarmiert. Auch zwei Hubschrauber waren im Einsatz. Die Feuerwehr konnte den Fahrer schließlich aus dem Auto befreien. Es handelt sich um einen 30-jährigen Münchner. Weil er laut Polizei psychische Auffälligkeiten aufwies, wurde er in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Erste Tests auf Alkohol und Drogen hätten nicht angeschlagen, das Ergebnis des Bluttests stehe noch aus.

Ersthelfer Thomas Schneider wird das Erlebte so schnell nicht vergessen. „Normalerweise gehe ich immer abends schwimmen, es war das erste Mal, dass ich in der Früh war“, sagt er. Schicksal? Vielleicht. Fest steht: „Zufällig anwesende Schwimmer schoben das Fahrzeug zurück und verhinderten dadurch, dass es unterging“, lobt die Polizei die Helfer.M.-T. WANDINGER, D. POHL

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