Auch an der Rolltreppe am Stachus ging nichts mehr. © MVG
In München wurden am Samstag in wenigen Stunden 100 Blitze registriert. Der stärkste hatte 100 000 Ampere. © Kneffel/dpa
Geblitzt und gedonnert hat‘s in der Nacht zum Samstag so heftig wie selten in diesem Jahr. Mit gravierenden Folgen: Am Vormittag ging bei den Rolltreppen im Münchner U-Bahnnetz gar nichts mehr.
Den ganzen Juli über hat das österreichische Unternehmen Aldis, das vor knapp zwei Jahren den früheren Blitz-Informationsdienst von Siemens übernahm, 5700 Blitze in Bayern registriert. Am Samstag allein waren es 4400. „Das ist sicher eine der blitzreichsten Nächte“, erklärt Aldis-Chef Wolfgang Schulz. Auf 50 Meter genau erfassen die Messstationen jeden Blitz über Deutschland. Den stärksten Blitz hat es laut Aufzeichnungen um 4.26 Uhr bei Gauting gegeben. 100 000 Ampere stark. „Der Mittelwert positiver Blitze liegt bei 30 000 Ampere“, erklärt der Experte. Ob der Super-Blitz von Gauting für den Ausfall aller Rolltreppen im U-Bahnnetz der Stadt sorgte, ist unklar. Denn innerhalb von gut zwei Stunden haben die Gewitter-Forscher auch im Stadtgebiet 100 Blitze gemessen. „Das gibt es nur bei richtig heftigen Gewittern.“ Es könnte auch ein anderer Einschlag für den Stillstand verantwortlich sein. Klarheit wird es erst am heutigen Montag geben: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) war gestern nicht für Nachfragen erreichbar.
Schulz vermutet, dass nicht die Stärke des Blitzes für den Ausfall ausschlaggebend war, sondern eher die Anfälligkeit einer zentralen Steuerung. Solch hochempflindliche Elektronik ist mit speziellen Schutzeinrichtungen ausgestattet, eventuell könne es da einen Defekt gegeben haben. „Schon ein schwächerer Blitz kann an der entsprechenden Stelle einen massiven Schaden anrichten. Wenn alle Rolltreppen stillstehen, dann ist wahrscheinlich eine zentrale Steuerung oder Überwachung beschädigt worden.“
Um 10.12 Uhr informierte die MVG am Samstag via Internet ihre Kunden: „Nach einem Blitzeinschlag in die Stromversorgung laufen derzeit die Rolltreppen im gesamten Netz nicht. Die Aufzüge funktionieren – bitte lasst denen den Vortritt, die auf den Lift angewiesen sind. Wir arbeiten daran, die Störung so schnell wie möglich zu beheben.“ Um 13.18 Uhr dann die Entwarnung: Die Rolltreppen laufen wieder. Das Münchner U-Bahnnetz verfügt über 772 Rolltreppen und 176 Aufzüge.
Auch in anderen Teilen Oberbayerns hat es gekracht. In Unterhaching kam es nach einem Blitzeinschlag zu einem Dachstuhlbrand. Auf der Bahnstrecke zwischen München und Mittenwald schlug ein Blitz um 7.47 Uhr in einen Bahnübergang bei Kaltenbrunn ein und sorgte den ganzen Tag über für massive Verspätungen.DORIT CASPARY