Abkühlung am Brunnen: Das genießt Christine Spitzweg besonders nach einem Tag an ihrem Obststand.
Balsam für die Seele: Christine Spitzweg entspannt gern am Sollner Weiher. © Fotos: Jens Hartmann
Christine Spitzweg blickt versonnen über den Warnberger Weiher. „Die meisten Menschen denken ja, der Olympiaberg ist die höchste Stelle in München“, sagt sie. „Aber mein Vater hat mir schon als Kind erzählt, dass wir uns hier auf dem höchsten natürlichen Punkt in München befinden“. Spitzwegs Vater war sehr verbunden mit den Schwestern im Kloster Warnberg. „Da waren wir oft, und die haben natürlich von der Geschichte des Warnberger Weihers erzählt.“
Der Warnberger Weiher – zwischen Kloster und Pferdekoppeln gelegen – ist ein Biotop im Landschaftsschutzgebiet Forstenrieder Park und Münchens höchstgelegenes Gewässer. Direkt neben dem Warnberg, Münchens höchstem natürlichen Berg, genau 580,06 Meter über dem Meeresspiegel, befindet er sich am südlichsten Punkt Münchens. Er ist ein Überbleibsel des Lehm-Abbaus, der 1862 mit der „Ziegelei am Warnberg“ an dieser Stelle nachweisbar ist. Auch die naheliegende Gaststätte Iberl nördlich des Friedhofs an der Wilhelm-Leibl-Straße erinnert an die ehemalige Ziegelei. Sie war ursprünglich ein Ausschank für die Ziegelarbeiter am Warnberg.
„Mit dem Warnberger Weiher verbinden mich ganz viele Kindheitserinnerungen“, erzählt Christine Spitzweg. „Ich bin ja hier aufgewachsen, früher war da ein kleiner Holzsteg, da konnte man im Winter aufs Eis gehen, und hinten Schlitten fahren und am Warnberger Weiher vorbei habe ich das Langlaufen gelernt.“ Der Weiher mit dem Forstenrieder Park bietet der Münchnerin Natur pur. „Hier am Wasser mit den Seerosen kann ich perfekt entspannen“, sagt Spitzweg. Und Entspannung hat sie nach einem langen Arbeitstag nötig. Seit 2021 arbeitet sie in ihrem eigenen Obststand am Fellererplatz. Vorher war sie lange im väterlichen Obst- und Gemüsegeschäft an der Wolfratshauser Straße tätig und machte einen Abstecher in einen Blumenladen.
Der Obsthandel wurde Christine Spitzweg quasi in die Wiege gelegt. Ihre Ururgroßtante Franziska Spitzweg war die Tochter eines wohlhabenden Früchtegroßhändlers im damaligen Großbürgertum München. Deren Sohn zeigte nicht viel Interesse am Broterwerb seiner Familie. Ihn zog es zur Malerei. Der bekannte Maler Carl Spitzweg wurde 1808 in der Kaufingerstraße in München geboren.
Christine Spitzweg lacht. „Ich male auch, aber halt leider nicht so gut wie mein Urgroßonkel.“ Sie lebt für ihren Obststand. Ein Fulltime-Job: „Los geht’s um 8 Uhr und dann bis 18 Uhr durch. Aber ich fange schon um 6 Uhr morgens mit dem Standaufbau an.“ Erste Entspannung nach einem langen Tag findet sie schon auf dem Nachhauseweg, denn sie wohnt direkt an einem weiteren Gewässer im Viertel: am Sollner Weiher. Idyllisch unter hohen Trauerweiden gelegen, befindet sich der Weiher zwischen Randelshoferweg und Muttenthaler Straße. Der dortige historische Trinkwasserbrunnen wurde 1928 geschaffen und diente früher als Löschbecken der Feuerwehr.
Heute ist der ehemalige Dorfteich ein Lebensraum für Forellen, Goldfische, chinesische Königsbarsche und auch Wasserpflanzen wie Seerosen oder Hornkraut. „Dieser Platz hat seinen dörflichen Charakter so beibehalten, dass ich mich quasi dort immer gleich sofort entspanne,“ sagt Christine Spitzweg. „ Außerdem ist der Weiher über die Jahre immer schöner geworden. Wenn ich dort die unterschiedlichsten Fischarten und die Seerosen sehe, dann ist das Balsam für die Seele.“DORIS KÖNIG