Kioskbetreiber Al Bezihi Nechirvan lässt ab 20 Uhr eine Rollo am Chipsregal herunter.
Ein Zettel mit der Aufschrift „Ab 22 Uhr kein Bier-Verkauf“ hängt im Kiosk.
Halten die vom KVR verhängten Verbote im Univiertel für „totalen Quatsch“: Florian Lang (li.) und Stefan Mödl stehen mit einer Chipstüte vor dem Sina Shop. © Felix Hörhager/dpa (3)
Nach 20 Uhr dürfen im Univiertel laut einer neuen Regelung fünf Kioske mit längeren Öffnungszeiten keine Chips mehr verkaufen, ab 22 Uhr auch kein Flaschenbier. Der Grund: Anwohner beschwerten sich massiv über Lärm, Müll und Störungen in Verbindung mit Alkoholkonsum. Wie wirkt sich der Knusper-Bann in der Praxis aus?
Kioskbetreiber Al Bezihi Nechirvan deckt nun um 20 Uhr die Chips mit einem Rollo ab, zwei Stunden später darf er an Nachtschwärmer auch kein Bier mehr abgeben. Dabei habe er sich immer sehr bemüht. Mitarbeiter sorgten abends dafür, die Straße vor dem Laden sauber zu halten. Und sie schickten auch die Leute nach dem Einkauf weiter, damit sie nicht vor dem Laden stehen blieben und Anwohner mit Gesprächen störten.
Ihm und anderen beschert die Regelung große Umsatzverluste. „Der meiste Umsatz ist bei mir ab 22 Uhr. Wenn die anderen Läden geschlossen haben, geht bei mir erst das Geschäft los“, sagt der Betreiber Shivan Beseh. Er habe deshalb nun auch Existenzängste.
Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) stellt klar: Die Auflage ist nicht neu. Man habe lediglich auf die aktuelle Gesetzeslage hingewiesen, sagte eine Sprecherin. Mit der Abdeckung der Knabbersachen will die Behörde erreichen, dass die Leute gar nicht erst in Versuchung geführt werden, danach zu greifen.
In Bayern gilt nämlich das Ladenschlussgesetz. Danach müssen Geschäfte in der Regel um 20 Uhr schließen. Das gelte auch für Kioske, so das KVR. Nur wer parallel eine Gaststätte betreibe, dürfe auch danach neben Essen und Trinken aus dem Lokal auch Flaschenbier, alkoholfreie Getränke sowie Tabak- und Süßwaren verkaufen. Die Auswahl sei aber begrenzt. „Chips gehören nicht zum privilegierten Sortiment“, so die Behörde.
Stefan Mödl wohnt hier und sagt, das zeitliche Limit für Chips und Bier sei „totaler Quatsch“. Kaum gebe es Spätis in München, würden sie schon wieder verboten oder eingeschränkt. „Wenn man eben nicht diesen Flair von einem Univiertel haben will, dann ziehe ich hier halt auch nicht hin.“
Der Anwohner Ole Dietzmann spricht von Klientelpolitik „für ein paar alteingesessene Münchner“. „Aber diese Stadt verändert sich und man muss auch Rücksicht nehmen auf die jungen Leute, die herkommen und hier leben wollen“, findet er. Die holten sich Bier und Chips beim Kiosk und gingen nicht gepflegt zum Edel-Italiener, wo die Halbe Bier fünf Euro koste.
Das Pochen auf die Einhaltung des Gesetzes hat sich nach Angaben des KVR bereits gelohnt. Kontrollen hätten gezeigt, dass sich die Lage verbessert habe: weniger Lärm, weniger Müll und weniger alkoholbedingte Störungen. Allerdings sind derzeit auch Semester- und Schulferien.CORDULA DIECKMANN