Vor Kurzem habe ich bei einem Ausflug eine wirklich tolle Idee gesehen. Da stand vor einer alten Burgruine eine große Glasscheibe, auf der die Umrisse des ursprünglichen Gemäuers aufgemalt waren. So platziert, dass die noch vorhandenen Reste quasi in den Kontext des früheren Gebäudes eingebettet waren. Man sah genau, welche Ecke das wohl mal gewesen ist. Und wie riesig dieses geschichtsträchtige Gebäude einst war. Welch kreative Art, etwas sichtbar zu machen, was eigentlich gar nicht (mehr) vorhanden ist.
Warum so was nur für die Bau-Vergangenheit nutzen? Das wäre meiner Meinung nach doch auch was für die Bau-Zukunft. Einfach vor das potenzielle Baugrundstück eine gläserne Simulation setzen, die den Bürgern live zeigt, wie der Baukörper am Ende dort ausschauen wird. Damit man sich schon mal dran gewöhnen kann. Ähnlich wie bei diesen Fassaden-Mock-ups, die ursprünglich zwar nur als Musterschau für die Architekten gedacht waren, aber inzwischen auch Anliegern als Info über die künftige Fassade dienen. Dass die Grünen in Bogenhausen erst nach einem Jahr kapiert haben, dass dieser Ausschnitt tatsächlich die künftige Außenansicht des neuen Staatstheater-Probenbaus in Steinhausen sein soll und sich dann über die Gestaltung aufgeregt haben, ist wieder eine andere Geschichte.
Das Problem in München wäre allerdings, dass man dann wahrscheinlich pausenlos gegen solche Glasscheiben rennen würde. Bei der Dichte an Bauruinen. Nach dem Willen der ÖDP soll jetzt bei einer davon, der Alten Akademie, möglichst schnell der Vorplatz aufgewertet werden. Mit mobilen Pflanzkübeln, schattenspendenden Bäumen, Sitzgelegenheiten und künstlerisch gestalteten Bauzäunen. Damit würde Münchens gute Stube wenigstens punktuell aufgewertet und angeblich Lebensqualität geschaffen.
Nun ist es ja nicht wirklich so, dass der Rest der Neuhauser Straße als Geheimtipp für eine pittoreske Altstadt im neuesten Reiseführer aufgelistet wäre und die Münchner nur auf dem Benko-Baustellenabschnitt auf eine attraktive Umgebung verzichten müssten. Aber Bäume auf Rädern und ein paar Bankerl ist mir zu klein gedacht. Richten wir doch gleich einen Pop-up-Biergarten dort ein oder einen Sommer-Beach mit Sand und Liegestühlen. Und präsentieren die Benko-Bauruinen als neue Münchner Sehenswürdigkeit. Die Bauzäune sollten mit fotorealistischen Bildern der bayerischen Königsschlösser tapeziert werden. Dann könnten die Touris einfach dort für ihre Selfies posieren, was die entsprechenden Ortschaften in Oberbayern vom Übertourismus entlasten würde. Die Zugspitze mit ihrem zweiten Gipfelkreuz hat gerade vorgemacht, wie so was funktioniert. Außerdem gibt es gewisse Parallelen. Der „Kini“ hat sich schließlich damals auch nicht von roten Zahlen beirren lassen. Als er 1886 entmündigt wurde, hatte er noch drei weitere Schlösser in Planung. Was Benko noch so in Planung hatte, sieht man an anderen Stellen Münchens.
Auf jeden Fall aber sollte vor der Alten Akademie auch eine große Glasscheibe aufgestellt werden. Die könnte allen zeigen, wie es hätte aussehen sollen, wenn sich der österreichische Großinvestor nicht so derart verzockt hätte. Vielleicht kriegen wir dann für das, was gar nicht vorhanden ist, noch eine Nennung im nächsten Baedeker. Man muss halt nur etwas kreativ sein.