Riesengeschäft mit der Wiesn

von Redaktion

Viele Münchner vermieten ihre Wohnung für viel Geld

Über 2000 Euro pro Nacht kostet dieses Apartment.

Nicht nur die Mass ist auf der Wiesn teuer – sondern auch die Unterkünfte. © Achim Schmidt

Na gut, vielleicht wird’s zu viert ein wenig eng in dem einen Zimmer – aber wer braucht schon Platz bei diesem Panorama? Vom Balkon im 7. Stock aus blicken die Gäste direkt auf die Dächer der Festhallen, die blinkenden Karusselle – das größte Volksfest der Welt liegt einem sozusagen zu Füßen. Zur Schau gestellt wird dieser Blick auf Fotos, mit denen ein Gastgeber für seine Bliebe an der Theresienwiese wirbt. „1 Minute zum Oktoberfest“ – mit diesem Spruch wird das Apartment auf der Plattform Airbnb angeboten.

Und diese Nähe müssen sich Gäste leisten können: 400 Euro pro Nacht kostet das Apartment am letzten Wiesn-Wochenende – plus 108 Euro Reinigung und Service. Also insgesamt 508 Euro. Ein Zimmer, zwei Betten, vier Gäste. Fast ein Schnäppchen, denn zur Wiesn kann es viel, viel teurer werden, wenn Gäste aus aller Welt eine private Wohnung mieten wollen.

Zum Oktoberfest, das am 20. September startet, ist die Stadt traditionell knallvoll, die Hotelzimmer sind ausgebucht. Und die Preise dementsprechend hoch: Während der Wiesn liegen die durchschnittlichen Zimmererlöse rund 160 Prozent über dem Jahresdurchschnitt, zeigen Zahlen des Münchner Wirtschaftsreferats. Dabei gibt es deutliche Ausreißer nach oben. Klar, dass dann auch viele private Gastgeber profitieren wollen.

Die Internetportale sind voll von Angeboten: Eine Dreizimmerwohnung, nur „etwa zehn Minuten“ von der Theresienwiese entfernt, kostet beispielsweise 600 Euro pro Nacht – plus 136 Euro Reinigung und Service. „Zu Fuß zur Wiesn“, so wird die Bleibe beworben. Die Lage sei besonders praktisch für „Feierfreudige“, heißt es darin.

Doch es geht noch teurer: Bis zu 2294 Euro verlangt ein weiterer Anbieter während der Wiesn – pro Nacht! Die Wohnung, über 100 Quadratmeter groß, nahe dem Karlsplatz, wird auf booking.com von einem „privaten Gastgeber“ angeboten, wie es auf der Plattform heißt. Die Gäste bekommen dafür zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, eine voll ausgestattete Küche. Bis zu vier Gäste haben darin Platz.

Die Angebote variieren dabei von einzelnen Zimmern (etwa für 345 Euro pro Nacht in der Altstadt) bis zu Häusern. Neben der Vermietung für eine Nacht gibt es auch Münchner, die Zimmer oder ganze Wohnungen während der ganzen Wiesn anbieten – vor allem für Gäste, die auf dem Fest arbeiten: So bietet im Internet jemand sein zwölf Quadratmeter großes Zimmer in Sendling für 700 Euro an – für die ganze Wiesn-Zeit. Und 1700 Euro verlangt ein anderer Gastgeber für eine 1-Zimmer-Wohnung im Univiertel (24 Quadratmeter) auf der Plattform „Kleinanzeigen“.

Doch wie läuft eine Vermietung ab? Unsere Zeitung hat mit einem Münchner gesprochen, der seine Wohnung zur Wiesn vermietet. Und das nicht zum ersten Mal. Der Vermieter, der anonym bleiben möchte, ist selbst Mieter – und lässt während der Wiesn vier Bedienungen aus dem Ausland in seine Wohnung einziehen. Er kennt die Gäste schon, sie waren bei anderer Gelegenheiten bei ihm zu Gast: „Ich bin zufrieden, eigentlich haben sie mir die Wohnung relativ sauber hinterlassen“, sagt er. „Bis auf geschätzt 60 Bierflaschen, die ich danach entsorgen musste.“

Finanziell lohnt es sich für den Vermieter allemal: Rund 2500 Euro nimmt er für die beiden Wiesn-Wochen ein. Er selbst kommt in der Zeit bei Bekannten unter. So reibungslos wie mit den Bedienungen läuft‘s aber nicht immer. Er habe auch schon mal an italienische Gäste vermietet, erzählt der Münchner – die hätten sich hemmungslos betrunken und unangenehm benommen.

Wer seine Wohnung vermieten möchte, sollte vorab einige Dinge abklären – denn nicht jeder darf einfach so weitervermieten. Auch Besucher sollten aufmerksam sein. Es sind wilde Angebote auf dem Markt. Auf booking.com wurde gestern zum Beispiel ein Apartment in Berg am Laim angeboten – für bis zu 16 Personen! Preis: 2300 Euro pro Nacht. Im Verlauf des Tages war das Angebot dann nicht mehr verfügbar. Warum, blieb unklar. JULIAN LIMMER, LEA SCHÜTZ

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