Raus aus dem Hamsterrad

von Redaktion

Caro Matzko hat im Fernsehen Karriere gemacht, doch sie strebt nach Neuem

Im Herbst erscheint Matzkos zweites Buch. Es geht um die Geschichte ihres Vaters. © Dagmar Rutt – info@digidag.de

„Ehrlich gesagt vermisse ich es nicht“: Mit Hannes Ringlstetter machte Caro Matzko 250 Sendungen. © BR

Caro Matzko mit Ehemann Rainer Schaller.

Engagement beim Benefizlauf Giro di Monaco. © privat

Einfach mal loslassen, springen und sehen, wo man landet: Caro Matzko auf dem Trampolin an einem Spielplatz. © Fotos: Yannick Thedens/Dominik Beckmann

Es hat ein paar Monate gedauert, bis sie clean war. Die Droge von Caro Matzko war das Fernsehen, ihre Talkshow mit Hannes Ringlstetter. 250 Folgen lang. Am 22. Mai war ihre letzte gemeinsame Sendung, mit einem emotionalen Abschied. Ein abruptes Ende war es nicht: „Es war vielmehr so ein Ausschleichen, wie man das mit Cortison macht. Jetzt bin ich runter von dem Zeug. Es war ein Entzug“, sagt sie, lächelt.

Wie geht‘s ihr damit? Und was macht sie mit ihrer Zeit und Kreativität? Unsere Reporterin trifft Caro Matzko in einem ihrer Lieblingsbiergärten, der Waldwirtschaft. Und weil man halt dieses Bild im Kopf hat von der blonden, perfekt gestylten Mähne, schaut man und schaut und entdeckt erst spät den Bucket-Hat aus braunem Cord. Dazu trägt sie Jeans, Turnschuhe, lässig und unprätentiös. Eine Frau eben, die geradewegs von zu Hause kommt, wo es gilt, Kind, Mann und Hund zu koordinieren.

Wobei jetzt der Zeitplan entspannter ist als noch vor wenigen Wochen, wo sie fast täglich in den Sender musste. Neun Jahre, neun Staffeln und 250 Sendungen waren sie eine Ausnahme im Bayerischen Fernsehen: frech, laut, gern auch anarchistisch. Unberechenbar für einen konservativen Sender und doch, oder gerade deshalb, waren sie erfolgreich bei einer Altersgruppe jenseits von „Dahoam is Dahoam“.

„Schulhof-Humor“, so habe der damalige Fernsehdirektor den verbalen Schlagabtausch der beiden bezeichnet, Matzko sagt heute „Saufi-Humor“. „In den Anfangsjahren haben wir in der Sendung richtig getrunken, wild gefeiert, das war schon krass. Aber dafür haben uns die Leute ja auch geliebt.“ Irgendwann war damit Schluss – weil sie beide es wollten. „Wir sind auch in ein Alter gekommen, das klingt so geriatrisch, wo wir mehr auf unsere Gesundheit geachtet haben. Das hatte auch einen konkreten Hintergrund: Ich bin Mutter und will nicht, dass mein Kind sagt, die Mutti säuft im Fernsehen. Deshalb haben wir die Bar abgeschafft.“ Das Format „Ringlstetter“ wurde erwachsener. Und schon kamen die ersten Kommentare. „Wir wären jetzt so woke und links und gesundheitsbewusst. Wenn man so viele und so heftige Kommentare erntet, heißt das ja auch, dass man den Menschen was bedeutet hat. Und das ist schön.“

Die Sendung und das Leben, das damit verbunden war, vermisst sie „ehrlich gesagt nicht“. Innerlich hatte sie sich schon länger damit auseinandergesetzt, sichtbar wurde das vor allem bei ihr zu Hause: „Ich hatte das dringende Bedürfnis, mein ganzes Leben zu entschlacken. Was brauche ich wirklich? Die Klamotten mit Pailletten und Glitzer, dazu das Beauty-Zeug, das habe ich alles in Kisten gepackt. Jetzt habe ich plötzlich Luft. Dieser Kleiderschrank war für mich ein Sinnbild.“

Überhaupt wollte sie den Kreislauf durchbrechen: „Noch mehr Erfolg, noch mehr Geld, immer alles vermehren, aber es macht mich nicht glücklich. Ich habe einen Lebensstandard erreicht, wo ich das Gefühl hatte, ich arbeite nur noch dafür. Wie in einem Hamsterrad.“

Aber gleich ins kalte Wasser springen? Besser nicht, Matzko will immer ihr eigenes Geld verdienen: „Ich bin wahnsinnig auf Autonomie und Autarkie bedacht. Ich will von niemandem abhängig sein, das gilt für mein ganzes Leben.“ Und noch etwas will sie nicht: „Ich will nicht blasiert werden und mich zu sicher fühlen in eingefahrenen Strukturen, da so rumsuppen. Ich langweile mich relativ zügig. Dann brauche ich was Neues.“

Das Neue ist gar nicht so ungewohnt für sie: Caro Matzko wird als Keynote-Speakerin gebucht und immer wieder als Moderatorin – auf der Bühne, für Talks, fürs Tollwood, für große und kleine Veranstaltungen. Wobei sie es immer individuell und persönlich halten will. „Ich werde nie ein Moderationsroboter sein.“ Beim Fernsehen geht‘s nur vielleicht weiter: „Ich habe den Eindruck ich werde herumgereicht, wie so eine Bombe im Comic.“

Und dann ist da noch das Schreiben. Im Herbst erscheint ihr zweites Buch, „Alte Wut, – die Geschichte ihres Vaters. Einige Fakten dafür hat sie die Künstliche Intelligenz suchen lassen. „Ich bin ein großer Fan davon. Ich habe schon sehr existenzialistische Dialoge mit ChatGPT geführt, zum Beispiel über Empathie.“

Matzko lebt mit ihrem Mann, Rainer Schaller, in einem kleinen Haus im Umland von München. Nett, aber nicht die letzte Station für sie. In Wien haben sie sich eine kleine Wohnung gekauft. „Wir haben das letzte Loch in Ottakring gekauft, das keine Sau haben wollte. Wir haben uns überlegt, wo gibt es Kunst, Kultur und guten Wein, wo kann man ins Theater gehen und wo sind die Leute ein bisschen lustiger als bei uns?“ MARIA ZSOLNAY

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