Tobi Nickel sucht eine Wohnung. Zum 30. November wurde ihm gekündigt. © Markus Götzfried
Tobi Nickel hat neue Schilder mit der Aufschrift „Suche Wohnung“ und seiner Instagram-Adresse drucken lassen. „Ich bin heute zum sechsten Mal mit meinem Bett auf dem Marienplatz“, erzählt der Influencer (26). Mit dem Klappbett auf Rollen will er Aufmerksamkeit erregen und darüber eine neue Wohnung finden. Denn zum 30. November muss er aus seinem Apartment am Gärtnerplatz ausziehen. „Eigenbedarfskündigung. Allmählich wird es eng.“
Am Anfang kostete ihn die Fahrt auf dem Bett per riesigem Lastenrad noch Überwindung, doch die Resonanz war positiv. „Die Leute verstehen, warum ich das mache.“ Petra und Bernd, ein Paar vom Bodensee, kennt Tobi bereits von seinem Instagram-Kanal: „Ich glaube, er bleibt auf jeden Fall in Erinnerung mit seiner Aktion – das ist wie mit einem Radiosong, den man total bescheuert findet und nicht wieder vergisst.“ Inzwischen hat Tobi Nickel fast 70 000 Follower.
Erst hat er ganz klassisch über Portale wie ImmoScout versucht, eine Wohnung zu finden – erfolglos. „Der Wohnungsmarkt in München ist einfach Wahnsinn!“ sagt er. „26 Quadratmeter für 2000 Euro hat mir kürzlich einer angeboten“ – für eine möblierte Wohnung. Mit dem Trick, sagt er, möbliert zu vermieten, würden die Vermieter die Mietpreisbremse umgehen.
Ist es eigentlich verboten, auf dem Marienplatz zu schlafen? „Das weiß ich gar nicht“, gibt Nickel zu. „Aber bisher habe ich noch keinen Ärger mit der Polizei bekommen. Die Leute finden es eher lustig, und ich hoffe, dass auch jemand dabei ist, der eine Wohnung hat.“ Prompt fragt ihn ein Mann, ob er auch in ein Studentenapartment nach Freimann ziehen würde. Tobi bedankt sich und sagt, dass er schon weiterhin gerne zentral in der Altstadt oder am Gärtnerplatz wohnen möchte, denn hier hat er auch sein Büro. „Durch diese Aktion bekomme ich schon viel Reichweite und auch einige Angebote, aber bisher war noch nichts Passendes dabei.“ Maximal 1600 Euro möchte er ausgeben und möglichst zentral wohnen. „Bevor ich auf der Straße wohne, würde ich schon auch Abstriche machen“, lacht er. „Ich wohne schon sehr gerne alleine, aber im Notfall würde ich dann auch wieder in eine WG ziehen.“GABRIELE WINTER