Im neuen Anker-Zentrum im früheren Sheraton-Hotel am Heimeranplatz können bis zu 900 Flüchtlinge unterkommen. Seit 11. August ist es in Betrieb. © Marcus Schlaf
Ein ehemaliges First-Class-Hotel in München dient seit Kurzem als neues Anker-Zentrum für Geflüchtete in Oberbayern. Das frühere Sheraton-Hotel am Heimeranplatz (Westend) bietet Platz für bis zu 900 Asylsuchende, wie das bayerische Innenministerium mitteilte. Am heutigen Mittwoch will sich Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gemeinsam mit dem oberbayerischen Regierungspräsidenten Konrad Schober vor Ort ein Bild davon machen. Die Diakonie München und Oberbayern, die dort die Sozialbetreuung übernimmt, sieht die Größe der Einrichtung kritisch.
Seit 11. August ist das Ex-Sheraton als erste Anlaufstelle für Asylsuchende in Oberbayern in Betrieb. Die Belegung wird laut Regierung von Oberbayern „aktuell hochgefahren“. Alle Neuankömmlinge werden hier erfasst, registriert, sicherheitsüberprüft und medizinisch untersucht – wie in allen Anker-Zentren bayernweit. Von hier aus werden sie in andere Bundesländer oder Regierungsbezirke weitergeleitet oder kommen in eine oberbayerische Unterkunft.
Das frühere Hotel, das 2022 seine Pforten schloss und seit 2023 bereits als Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 500 Geflüchtete diente, ersetzt zwei bisherige Anker-Standorte im Münchner Euro-Industriepark (Maria-Probst- und Lotte-Branz-Straße). Deren Gebäude und Container sind laut Regierung von Oberbayern „am Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzbarkeit angekommen“. Im Ex-Sheraton gebe es gut 300 Zimmer, meist Mehrbettzimmer für zwei bis sechs Personen. Es liegt direkt am S- und U-Bahnhof sowie an der Hauptverkehrsader Mittlerer Ring.
Die Diakonie München und Oberbayern wird laut Vorstandssprecherin Andrea Betz mit etwa zehn Mitarbeitenden vor Ort sein, um pädagogische Hilfe, psychologische Unterstützung sowie Flüchtlings- und Integrationsberatung zu leisten. Die Größe der Anker-Einrichtung sieht Betz kritisch. Eine Herausforderung bestehe darin, Menschen in ihren jeweiligen Bedarfen zu unterstützen, sagte sie: „Je größer die Einrichtung, umso schwieriger ist dies.“
Auch die jeweils unterschiedlichen Bleibeperspektiven der Menschen könnten Konflikte verstärken, meint Betz. Die Spanne zwischen Geflüchteten etwa aus der Ukraine, aus afrikanischen Staaten oder aus dem Mittleren Osten kann groß sein. So haben Ukrainer andere Ansprüche bei Aufenthalt und Erwerbstätigkeit. Diese Personenkreise waren in den Einrichtungen zuvor getrennt, im neuen Anker-Zentrum kommen nun alle zusammen – was laut Betz auch die Beratung der Geflüchteten erschweren kann.
Die Vorstandssprecherin der Diakonie rechnet mit einer durchschnittlichen Unterbringungsdauer von etwa drei Monaten im Haus am Heimeranplatz. Angesichts der zahlreichen Bewohner – darunter viele Kinder und Jugendliche – und der komplexen Problemlagen würde sie sich mehr finanzielle Förderung für die Beratung wünschen, sagte sie.
Laut Regierung von Oberbayern soll der neue Anker-Standort auch dazu beitragen, dass München seine Aufnahmequote konsequenter erfüllen kann. Derzeit komme es seiner Asyl-Verpflichtung nur zu rund 76 Prozent nach.
Die Miete des ehemaligen Hotels entspreche „dem orts- und marktüblichen Niveau“ und unterscheide sich insofern nicht von anderen Objekten, die privat angemietet werden, teilte die Regierung mit. Bayernweit sind der Regierung von Oberbayern zufolge bereits zwei Anker-Dependancen in ehemaligen Hotels untergebracht, je eine in München und in Nürnberg. In der Anschlussunterbringung werden Hotels oder Pensionen zudem häufig genutzt.EPD