Wohnungen nach Großmarkt-GAU?

von Redaktion

Politiker fordern neues Öko-Quartier mit regionaler Versorgung in Sendling

So hätte sie aussehen sollen: die Großmarkthalle. Das Projekt hat sich aber wohl zerschlagen.

Architekt Tilmann Rohnke hat ein Konzept für Wohnungsbau erstellt. © Rohnke, Büschl

Die Zukunft der Großmarkthalle ist weiterhin ungewiss. Der Rückzug von Investor Ralf Büschl stellt die Stadt vor Probleme und die Frage: Soll das Umschlagzentrum in Sendling bleiben oder nicht? Im Münchner Stadtrat gehen die Meinungen dazu auseinander, final hat sich noch keine Fraktion zu einem Beschluss durchringen können. Einzig der Auftrag an die Verwaltung, alle Optionen zu prüfen, ist verbrieft. „Wir stehen nun leider wieder am Anfang“, sagt Grünen-Stadtrat Christian Smolka. „Denkverbote darf es dabei nicht geben.“

Im zuständigen Bezirksausschuss (BA) sind die Politiker ein Stück weiter. Das Gremium stimmte dem Vorschlag der SPD zu, das Kommunalreferat solle noch in diesem Jahr einen Runden Tisch mit dem BA und den Händlern einberufen. „Die Händler und die Menschen in Sendling haben ein Recht darauf zu erfahren, wie es weitergeht“, sagt BA-Chef Markus Lutz (SPD). Das Gremium stimmte zudem mehrheitlich einem Antrag der Grünen und der ÖDP an das Kommunalreferat zu, das Gelände neu zu planen. Dabei soll das Grundstück in städtischer Hand bleiben, ein neues Konzept soll den Fokus auf regionale Versorgung legen. Und es soll ein Bebauungsplan erstellt werden, der ein autofreies Viertel vorsieht, bezahlbare Wohnungen sowie Schulen, Kitas, Begegnungsflächen sowie Raum für Gewerbe und Kultur.

Wie eine solche Wohnbebauung beispielhaft aussehen könnte, hat der Münchner Architekt Tilmann Rohnke auf eigene Initiative ausgearbeitet. Über die Pläne hatte zunächst die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Das Konzept des Architekten sei demnach als Diskussionsgrundlage zu verstehen. Es sieht dicht, aber nicht hoch bebaute Quartiere vor. Das Ganze könnte autofrei gestaltet werden, auch ein neuer Park ist angedacht. Die denkmalgeschützten Gebäude würden erhalten. Vorstellbar wären zudem 5000 bis 6000 Wohnungen – je nachdem, wie viele Flächen für Kitas, Schulen oder kulturelle Einrichtungen gebraucht würden.

„Warum nicht neu denken?“, fragt Grünen-Politikerin Dagmar Irlinger. „Wir glauben, dass das Gelände in städtischer Hand bleiben sollte. Und wir wünschen uns ein Konzept, das die regionale Versorgung mit Lebensmitteln in den Mittelpunkt stellt – und nicht eins, das hauptsächlich einen großen Umschlagplatz dort verortet.“

Momentan würden 85 Prozent der nach Sendling transportierten Lebensmittel nur auf den nächsten Lastwagen umgeladen – dafür sei das Gelände zu wertvoll. „Wie wird regionale Lebensmittel-Versorgung in Zukunft sein?“, fragt Florentine Schiemenz (ÖDP). „Das ist existenziell. Wir sollten die Weichen stellen für ein Konzept, das den nächsten drei Generationen dient.“ SASCHA KAROWSKI

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