Auf Herz und Nieren

von Redaktion

Mediziner erklären, wie der Besuch auf dem Oktoberfest ein gesunder Spaß wird

Seit wenigen Tagen geht’s rund auf der Wiesn. Da wird in der Achterbahn gekreischt, ein Hendl schnabuliert und anschließend auf der Bierbank getanzt. Es ist für einige die schönste Jahreszeit in München. Allerdings birgt sie auch gesundheitliche Risiken. Unsere Zeitung macht deswegen den Fest-Test auf Herz und Nieren. Hier geben Experten medizinische Tipps für eine gesunde Gaudi.

Beim Konsum von Alkohol und fettigem Essen sollte man an sein Herz denken, sagt Prof. Stefan Sack. Er ist Chefarzt der München Klinik für Kardiologie. Eine Mass auf Ex: Das sei allein von der Flüssigkeitsmenge her eine enorme Belastung für den Magen. Dazu kommt der hohe Alkoholgehalt des Oktoberfest-Biers. Der liegt heuer – je nach Brauerei – zwischen 5,3 und 6,6 Prozent. „Der Alkohol stört die Freisetzung des antidiuretischen Hormons (ADH) im Körper und wirkt entwässernd.“ Die Gefahr: Elektrolyte, also Mineralstoffe, gehen bei den häufigen Toilettengängen verloren. Das Herz braucht aber Magnesium und Kalium. Ein Mangel kann zu Rhythmusstörungen führen.

Auch ein übermäßiger Genuss von fettiger Kost wie Schweinsbraten oder Haxe kann laut Sack zur Gefahr fürs Herz werden. Denn damit steige nicht nur das Risiko für Übergewicht. „Fettiges Essen führt auch zu einem Anstieg des Spiegels des schädlichen LDL-Cholesterins im Blut.“ Das kann sich in den Arterien ablagern. Wer sich ausgewogen ernährt, schützt seine Gefäße.

Dr. Martin Marianowicz hingegen empfiehlt fast schon einen Besuch auf der Wiesn. „Bewegung und glückliche Erlebnisse verlängern das Leben“, sagt der Orthopäde. Und viele Menschen würden sich viel zu wenig bewegen. „Das Festgelände ist groß, da kommen schnell einige Schritte zusammen.“ Wer rastet, der rostet, sagt man ja. Auch das Feiern auf der Bierbank habe Vorteile. „Tanzen ist eine der gesündesten Betätigungen für uns!“ Entscheidend für verletzungsfreies Feiern sei natürlich, dass man nicht zu tief in den Masskrug schaut.

Auch Sitzen auf der Bierbank ohne Rückenlehne sei gesund, sagt Marianowicz. Vorausgesetzt man sitzt aufrecht und wechselt ab und zu die Sitzposition. Man spricht dann von aktivem Sitzen. Dabei belastet man immer wieder andere Muskelgruppen. Das ist gesund. Ungesund dagegen sei es, sich mit den Armen auf dem Tisch abzustützen und mit krummem Rücken nach vorn zu sacken.

Hilfreich sei zudem festes Schuhwerk, bei den Männern etwa Haferlschuhe. „Wichtig ist, dass der Fuß einen guten Halt hat.“ Auch Absätze bis fünf Zentimeter Höhe seien nicht schädlich. Aber je höher sie sind, desto höher sei das Verletzungsrisiko. Von Achterbahnfahrten rät Marianowicz bei Vorerkrankungen an der Halswirbelsäule ab. „Wer gut beinander ist, fährt am besten so, dass der untere Rücken stabil am Sitz anliegt. Den Kopf sollte man außerdem an die Kopfstütze drücken.“ Dann sei man gut für die teils enormen Belastungen gewappnet. Die Wiesn geht ja schließlich noch knapp zwei Wochen lang.REGINA MITTERMEIER

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