Rudolf und Simon Krug (r.) nehmen auch D-Mark an. © Fotos: Schmidt, Szilagy
Zwei Ticket-Terminals am „Jules Verne Tower“ (li.). Hier heißt es: Karte vorhalten und losfahren.
Schnelle Kartenzahlung statt Anstehen am Kassenhäuschen. Immer mehr Fahrgeschäfte auf der Wiesn bieten heuer erstmals Ticket-Terminals an. Am Kettenflieger „Jules Verne Tower“ stehen gleich acht solcher Automaten. Das Ticket zum Höhenflug gibt’s da in wenigen Sekunden. Gezahlt wird mit Karte, dann geht’s ins Karussell. Echte Kassen hat der Tower auch – dort kann man aber nur mit Bargeld zahlen.
Den gleichen Service bietet das Riesenrad an, ebenso der Freifall-Turm „Skyfall“ sowie kleinere Fahrgeschäfte wie der Musik-Express, die Riesenschaukel „Konga“ oder die Videospiel-Bahn „Laser-Pix“. Die Wiesn wird zum Selbstbedienungsladen.
Überhaupt wird Kartenzahlung auf dem Oktoberfest immer beliebter: Die Hälfte der Essensbuden bietet Visa, Mastercard, Giropay oder Handy-Zahlung an. Manche erst ab 20 Euro, andere auch für „Kleinstbeträge“. Beim Souvenirstandl von Ingrid Weber zahlt die Hälfte schon mit Karte, sagt die Verkäuferin. Einige Standl sperren sich aber gegen den Trend, zeigen deutlich an: „Cash only“.
Kathrin Wickenhäuser-Egger von der Münchner Stubn: „Das erste Wochenende verlief ohne Probleme. Der Umsatz war sogar höher als sonst, auch die Kellner sind sehr zufrieden mit dem Trinkgeld.“ Andere Wirte schauen gespannt, wie das bargeldlose Zelt heuer funktioniert. „Einer hat mir schon gesagt: ,Das mach‘ ich nächstes Jahr auch.‘“ Auch Marstall-Wirt Sigi Able hat Bares verbannt – zumindest draußen beim Straßenverkauf. Ochsensemmel und Riesen-Currywurst gibt’s laut Schild „hier nur bargeldlos“.
Auch in großen Zelten ist Kartenzahlung machbar – etwa im Schottenhamel. „Jede Bedienung hat einen Chip, über den sich per Handy bezahlen lässt – wahlweise mit Apple Pay, Visakarte oder Paypal“, sagt Wirt Christian Schottenhamel. Ein Service, den immer mehr gerne annehmen: „Es wird immer mehr, mittlerweile zahlen rund zehn Prozent unserer Gäste bargeldlos.“
Rudolf Krug geht einen ganz anderen Weg: Seit 50 Jahren verkauft er mit Sohn Simon (43) glasierte Früchte auf der Wiesn. Seit 2002 können seine Kunden auch mit D-Mark bezahlen. „Bei der Umstellung auf Euro habe ich noch gewitzelt: Ich mach’ nie wieder eine müde Mark. Aber da hab ich falsch gedacht: Dass ich Mark annehme, hat sich sofort wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Leute hatten ja immer noch viel von dem Geld daheim.“
Im ersten Jahr habe die Mark zwanzig Prozent seines Umsatzes ausgemacht. „Heute ist es weniger, aber ein paar hundert Euro kommen schon noch zusammen.“ Ein Kunde hat an seinem Standl sogar mal eine Banane mit Hundert-Mark-Schein bezahlt.T. GAUTIER, F. V. MUTIUS