K.o.-Tropfen: Die bittere Bilanz

von Redaktion

Drogen in Drinks: Mehr Fälle als 2024 – Vater von Opfer warnt eindringlich

Warnt: Vater Bernhard W. aus Oberhaching. © privat

Charlotte Kuffler ging an die Öffentlichkeit. © Achim Schmidt

Charlotte Kuffler (20) erwischte es gleich am zweiten Wiesntag. Die Studentin und Tochter der Weinzelt-Wirte Stephan und Stephanie Kuffler ist sicher: Irgendwer hat ihr und zwei Freundinnen K.o.-Tropfen verabreicht (wir berichteten). Jetzt zeigt sich: Sie waren leider nicht die einzigen Opfer.

Laut der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ bestand zur Halbzeit des Oktoberfests „in insgesamt sechs Fällen“ der Verdacht, „dass Besucherinnen K.o.-Tropfen verabreicht bekommen hatten“. 2024 waren es zur gleichen Zeit fünf Fälle.

Eine bittere Bilanz. Und klar ist: Die Dunkelziffer ist wohl viel höher. Denn die Aktion „Sichere Wiesn“ zählt laut Sprecherin nur die Fälle, die dort gemeldet werden. Viele Opfer melden K.o.-Tropfen-Attacken aber gar nicht erst. Aus Scham. Oder weil sie nicht sicher sind. Eine Sprecherin: „Für die Betroffenen ist die Unsicherheit oft nur sehr schwer erträglich: Die Erinnerung an das Geschehen ist lückenhaft oder verschwommen. Hinzu kommen Gefühle wie Angst, Scham und Hilflosigkeit.“ Auch Daniel Katz vom Polizeipräsidium Oberbayern geht „von einer brutal hohen Dunkelziffer“ aus. Denn: „Das Schamgefühl vieler Betroffener ist oft zu groß, als dass sie das, was ihnen passiert ist, anzeigen.“

Charlotte Kuffler schämte sich nicht – im Gegenteil: Sie ging mutig an die Öffentlichkeit, um andere zu warnen. Das will auch Bernhard W. (55) aus Oberhaching. Der Selbstständige ist sicher: Auch sein Sohn wurde Opfer von K.o.-Kriminellen! Laurin W. (19) erwischte es am 20. Juli auf dem Bachfest in Oberhaching. Er kaufte sich laut Bernhard W. gegen 0.30 Uhr eine Cola mit Rum an der Bar – „fünf Minuten später lag er am Boden“. Er ist sicher: Das war nicht die Folge von Alkohol. „Laurin ist körperlich topfit, den haut so schnell nix um. Aber er hatte innerhalb kürzester Zeit keine Kontrolle mehr über seinen Körper. Er lag am Boden, hat sich ständig übergeben und war nicht ansprechbar. Zum Glück haben Freunde den Rettungswagen gerufen.“

Laurin landete auf der Intensivstation – mit Herzrhythmusstörungen und Atemnot. Danach sei er eine Woche krankgeschrieben gewesen, sagt Bernhard W. Zum Glück trug sein Sohn keine gesundheitlichen Schäden davon – mittlerweile gehe er auch wieder feiern. Dass er sich jetzt besser schützen kann, glaubt sein Vater aber nicht: „Laurin denkt, dass man ihm die K.-o.-Tropfen an der Bar ins Glas gemischt hat – als er kurz sein Rückgeld in den Geldbeutel gesteckt hat. Das geht innerhalb von Sekunden.“ Wichtig sei deshalb, im Ernstfall richtig zu reagieren: „Nicht alleine bleiben. Und im Zweifel den Krankenwagen rufen.“TG

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