Wie sicher ist die Wiesn?

von Redaktion

Nach Sperrung am Samstag: So handeln Polizei und Veranstalter im Notfall

Der Wiesn-Chef Christian Scharpf.

Um die 300 000 Menschen drängten sich am Samstag auf der Wiesn. © Peter Kneffel/dpa

Mit 54 Kameras überwacht die Polizei das Festgelände. Mehrere Beamte haben stets ein Auge darauf. © Schmidt (2)

Mehr als 300 000 Menschen steckten fest, eine Lautsprecherdurchsage verursachte Panik, Eltern fürchteten um ihre Kinder und bei der Polizei gingen Notrufe ein – wie konnte es am Samstag zu so einer Situation auf der Wiesn kommen? Eigentlich sollte ein Sicherheitskonzept eine Überfüllung verhindern. Wir haben bei der Polizei und im zuständigen Referat für Arbeit und Wirtschaft von Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) nachgefragt. Wie lässt sich so etwas in Zukunft verhindern?

Zunächst: Während der rund 60-minütigen kritischen Phase gab es keine Verletzten, meldet die Polizei. „Das Sicherheitskonzept hat gegriffen“, sagt ein Sprecher, „das Gelände hat sich nur gegen 17 Uhr, zum Reservierungswechsel in den Zelten, unheimlich schnell gefüllt. Deshalb gingen bei uns rund 50 teils aufgeregte Notrufe ein. Passiert ist aber nichts.“ Zum Glück – denn nachdem die Polizei gemeinsam mit dem Wiesn-Koordinierungskreis eine Lautsprecherdurchsage beschlossen hatte, kam erst recht Unsicherheit auf. „Bitte verlassen sie das Gelände“, lautete die Ansage ohne Erklärung, die Raum für sämtliche Schreckensszenarien ließ. „Diese Durchsage haben wir dann nach dem ersten Durchgang korrigiert.“

Die Entscheidung zur Sperrung des Geländes gegen 18 Uhr habe zuvor der dafür zuständige Koordinierungskreis getroffen. In diesem Gremium sind laut dem Amt von Wiesn-Chef Scharpf, dem Referat für Arbeit und Wirtschaft, mehrere Institutionen vertreten: die Polizei, die Branddirektion, das Versammlungsbüro des KVR, die MVG und die Wiesn-Festleitung. Läuft etwas auf der Theresienwiese nicht normal, entscheiden sie gemeinsam, was zu tun ist. Im Moment fänden dort rege Gespräche statt: „Die Aufarbeitung der Abläufe vergangenen Samstag hat gerade höchste Priorität“, sagt eine Sprecherin. „Wir sind im engen Austausch mit Sicherheitsbehörden, Wirten und Beschickern.“ Hilfreich für schnelle Entscheidungen sind auch 54 Kameras, die die Polizei überall auf der Wiesn installiert hat. Auf zahlreichen Monitoren in der Wiesn-Wache ist hochaufgelöst zu sehen, was die Besucher so treiben, man kann sogar Gesichtsausdrücke erkennen. Innenminister Joachim Herrmann inspizierte die Anlage persönlich (wir berichteten). Mehrere Beamte haben die Bildschirme ständig im Auge. „Für das kommende Wochenende werden ähnliche Menschenaufläufe auf jeden Fall vermieden“, kündigt das Wirtschaftsreferat an.ISABEL WINKLBAUER

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