Die unheimliche Stille

von Redaktion

Was Schausteller und Wirte in der Sperrzone erlebt haben

Das Wirte-Duo Oliver Wendel und Katharina Wiemes vom Café Theres. © Privat

Gespenstisch: Die Wirtsbudenstraße war gestern während der Sperrung der Theresienwiese komplett verwaist. © Privat

Oliver Wendel ist erst seit zwölf Tagen Wiesn-Wirt. Mit Katharina Wiemes bildet er seit heuer das Wirte-Duo im Café Theres. Gestern saß er allein im Zelt. „Eine gespenstische Stimmung, aber keine panische“, sagt er. Seine Mitarbeiter mussten das Zelt verlassen. Die Wirte selbst aber sollten vor Ort bleiben, um den Einsatzkräften Zutritt zu allen Räumen verschaffen zu können. „Gerade war eine große Mannschaft hier, sie haben bis ins Lager alle Ecken abgesucht“, sagte Wendel gestern Nachmittag. Der Spezialeinheit schenkte er Zimtschnecken, aber sonst blieb ihm nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Auch Toboggan-Chef Claus Konrad hat mit einem Mitarbeiter im Wohnwagen hinter dem Kultfahrgeschäft die Stellung gehalten. „Ich habe meine Frau und Mitarbeiter heimgeschickt, wir wohnen ja alle in der Region“, berichtete der 57-Jährige. Mit Büroarbeit hat er sich die Zeit vertrieben, nachdem er seinen Standplatz kontrolliert hatte. „Ich glaube, wir alle haben heute unser Platzerl auf womöglich komische Rucksäcke hin abgesucht.“

Für Wiggerl Hagn, ehemals Festwirt im Löwenbräu-Zelt, wäre der gestrige Tag eigentlich ein Höhepunkt im diesjährigen Wiesn-Kalender gewesen. Traditionell kommen die „Alt-Wirte“ einmal am Stammtisch zusammen. Heuer hätte sich Hagn also unter anderem mit den Wiesn-Senioren Manfred Vollmer, Doris Kuffler und Günter Steinberg mittags im Augustiner-Zelt getroffen. Doch dazu kam es nicht.

„Als ich die Meldung von der Sperrung bekommen habe, bin ich gleich in der Hirschau geblieben“, erzählt der 85-Jährige. „Ich habe mich selbst zum Telefondienst eingeteilt. Natürlich haben einige Gäste mit Mittagsreservierung angerufen. Wir werden eine Lösung finden und vielleicht in den nächsten Tagen im nicht-reservierten Bereich Platz-Alternativen anbieten.“ Den Wirten steht eine große logistische Aufgabe bevor. „Trotzdem: Die Sperrung war richtig“, sagt Hagn, der die Wiesn auch am 26. September 1980 erlebt hat. „In der heutigen Zeit muss man jede Bedrohung ernst nehmen.“

Auch Manfred Schauer (Schichtl) hat Verständnis: „Lange Gesichter bringen nix. Wir müssen das Beste draus machen. Da rede ich mich mit 364 Plätzen aber leichter als der Wirt eines großen Festzeltes.“ Für Otto Lindinger von Bodo‘s Cafézelt wird die Rückabwicklung der Reservierungen herausfordernd: „Kein Gast soll auf dem Schaden sitzen bleiben.“ Dieser Tag bleibt im Gedächtnis. „Wir haben uns auf dem Gelände aber zu jeder Zeit sicher gefühlt“, sagt er. „Der Einsatz lief koordiniert ab, wir wurden immer gut informiert.“ Das Bangen und die unheimliche Stille mussten Wirte und Schausteller aber letztlich allein ertragen. CORNELIA SCHRAMM

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