Als der US-Konzern Meta vor zwei Jahren ein Büro in München eröffnete, war ich unsicher, ob ich mich dem Jubel darüber anschließen soll. Daran hat sich wenig geändert – auch jetzt nicht, da der Mutterkonzern von Facebook sich aufmacht, die Kochkultur in diesem Land aufzumischen. Klar: Der Kochautomat, der die Kantinenverpflegung revolutionieren soll, nötigt dem Technik-Freak in mir höchsten Respekt ab. Hier wird greifbar, was die Impresarios der virtuellen Welt meinten, als sie ankündigten, Meta wolle sich am Standort München auf die Entwicklung immersiver Technologien konzentrieren, also die Verschmelzung von realer und virtueller Welt vorantreiben. Das Dumme ist: Der Technik-Fan in meinem Kopf teilt sich die Wohnung mit einem misstrauischen Alten. So einer, der immer ein bisserl mürrisch daherkommt und überall sofort das Haar in der Suppe findet.
Diesem notorischen Ungustl kam der Bericht über Metas Roboter-Kantine gerade recht. „Aha. Kochen kann der Apparat also“, ätzte der Alte. „Aber abspülen wohl eher nicht, sonst hätten die das vorgeführt. Das soll also der Fortschritt sein: Die Maschine kocht, und der Mensch macht hinterher sauber!?“ Mist. Schon wieder ist es dem Kerl gelungen, meine Euphorie zu bremsen. Und wenn man einmal begonnen hat, nachzudenken …
Die Maschine, so las ich, stelle individuelle Gerichte für jeden Gast zusammen, basierend auf dessen Vorlieben und sogar orientiert am jeweiligen Lebensstil und Gesundheitsstatus. Dazu fragt sie den Gast ungeniert aus. Ich bin sicher: Genauso unbedarft und bereitwillig, wie sie der Roboter-Mutter Facebook ihre privatesten Geheimnisse anvertrauen, werden viele Menschen der Kochmaschine verraten, was sie einer Köchin oder einem Küchengehilfen aus Fleisch und Blut niemals offenbaren würden.
Vielleicht kommt es aber auch ganz anders: Womöglich will ja doch niemand dem Roboterkoch gestehen, dass er gestern Abend mit Freunden versumpft ist und sich nun mit einem Brummschädel ohne Frühstück ins Büro geschleppt hat. Wer weiß schließlich, ob der blecherne Chef de Cuisine nicht doch alles brühwarm dem echten Chef petzt. Dazu kommt: Wenn die Kochmaschine weiß, was ich mit mir herumschleppe – sei es ein Kater, seien es zehn Pfund zu viel auf den Rippen – dann wird das Mittagsmahl, das sie mir ganz individuell zubereitet, arg gesund ausfallen. Nicht direkt das, wonach mir der Sinn steht.
Ganz ehrlich: Ich würde lügen, dass sich die Kochlöffel biegen. Die Kollegin in der Merkur-Kantine würde mir im Leben nicht glauben, dass ich gerade direkt vom Frühsport komme: Zehn Kilometer laufen, und vor dem Duschen noch schnell hundert Liegestützen. Der Blechdepp dagegen müsste es schlucken und einsehen, dass mein Körper jetzt dringend Proteine braucht. Na, geht doch! Das klingt nach Schnitzel oder Currywurst.
Ich lüge aber ungern. Deshalb bin ich froh, dass es in der Pressehaus-Kantine noch immer ein Küchenteam aus Fleisch und Blut gibt. Eines würde ich den Kochtopf-Jongleuren allerdings gönnen: Einen Roboter, der hinterher saubermacht. Von Meta ist da keine Hilfe zu erwarten. So etwas zu entwickeln, wäre viel zu trivial. Schade eigentlich.