Sportreferent Florian Kraus. © Jens Hartmann
Für die Spiele soll wieder ein Olympisches Dorf gebaut werden. © dpa/jh
Die Olympischen Spiele in München würden Projekte beim Wohnungs- und ÖPNV-Ausbau um mindestens zehn Jahre beschleunigen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der auf Mobilitätsthemen spezialisierten MCube Consulting im Auftrag des städtischen Referates für Bildung und Sport.
Die Studienersteller hatten sich 18 Projekte angeschaut, die Teil des Bewerberkonzeptes sind: fünf Maßnahmen im Bereich Sportstätten, zehn Maßnahmen im Bereich Verkehr und Infrastruktur und drei Maßnahmen zur Stadtgestaltung. 13 davon seien wichtig für Münchens Zukunft, und mit den Spielen könnten sie mit höherer Wahrscheinlichkeit und schneller umgesetzt werden, heißt es. „Olympia wäre vor allem ein Beschleunigungsprogramm für die richtigen Projekte.“ Unter anderem nennt die Studie in diesem Zusammenhang den Ausbau der Trambahn, neue Radschnellwege oder die Entstehung eines Olympischen Dorfs.
„Während Sportstätten nur begrenzte Effekte haben, sind es die Investitionen in Verkehr, Infrastruktur und Stadtgestaltung, die München wirklich transformieren können“, sagt Oliver May-Beckmann von MCube. Er fügt hinzu: „Wenn Olympia diese Projekte beschleunigt, entsteht ein langfristiger Gewinn – wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich.“ Münchens Sportreferent Florian Kraus ergänzt: „Es ist unser Ziel, nachhaltige Spiele zu veranstalten, die einen bleibenden Gewinn für die Stadtgesellschaft darstellen. Dass wir dazu die Möglichkeiten und Instrumente haben, hat die Studie nochmals aufgezeigt. Sie ist damit sowohl Bestätigung als auch Ansporn.“
Tobias Ruff, Fraktionschef der ÖDP im Stadtrat und Wortführer der Olympia-Gegner, zieht andere Schlüsse aus der Untersuchung: „Die MCube-Studie bestätigt, was wir seit Monaten sagen: München braucht keine Olympischen Spiele, sondern eine nachhaltige Stadtentwicklung.“ Wenn der Effekt von Sportstätten für die Entwicklung der Stadt nur gering sei, bräuchte es keine Olympischen Spiele, um ohnehin nötige Projekte wie den Ausbau der Tram, neue Radschnellwege oder Wohngebiete voranzubringen. Ruff: „Es ist absurd, Milliardenrisiken und neue Belastungen für Bürgerinnen und Bürger in Kauf zu nehmen, nur um Projekte umzusetzen, die längst überfällig sind. München ist schon jetzt überlastet und braucht kein ‚Beschleunigungsprogramm‘ durch Olympia, sondern Stadtplanung mit Augenmaß und Verstand.“
Zudem ist es auch unter Experten umstritten, wie sich Olympische Spiele wirtschaftlich auswirken. Antworten der renommierten Wirtschaftsforschungsinstitute Ifo, IWH, RWI Essen und DIW auf einen Fragenkatalog der Nachrichtenagentur dpa hatten zuletzt eher kein großes wirtschaftliches Potenzial in einer Olympiaausrichtung gesehen. So hieß es unter anderem vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Die gesamtwirtschaftlichen Effekte sind meist begrenzt und oft überschätzt.“ Zudem seien sie selten nachhaltig.
Skeptisch waren die Wirtschaftsforscher auch bei den Kostenschätzungen: „Realistisch ist, dass Olympia auch heute deutlich teurer wird, als ursprünglich veranschlagt“, hieß es beispielsweise vom Ifo. Zudem halten einige Forscher auch negative Auswirkungen, wie vorübergehend steigende Preise oder eine Verknappung von Wohnraum und anziehende Mieten für möglich. SKA/DPA