Diese Scherben steckten im Rasen und im Boden. © privat
Brachfläche statt Spielwiese: Die Plätze 3 und 4 beim SV Waldperlach sind seit April gesperrt, weil überall Splitter herumliegen. Martin Weinel, zweiter Vorsitzender des Vereins, spricht von einer „Vollkatastrophe“. © Martin Hangen
Der SV Waldperlach steht vor einem Scherbenhaufen: Seine Trainingsplätze 3 und 4 sind seit Monaten voller Glassplitter und damit unbespielbar. Der Verein (1100 Mitglieder) braucht jetzt dringend 600 000 Euro. Doch da ist auch eine Versicherung im Spiel. Und die mauert.
Der zweite Vorsitzende des Vereins, Martin Weinel, berichtet: „Wir bauen seit Mitte des Jahres einen neuen Kunstrasenplatz.“ Wegen des Baus mussten viele Mannschaften für Spiele und Trainings auf die Plätze 3 und 4 ausweichen. Da beschloss der Verein, vor dem Ansturm den Rasen aufzupeppen – durch eine sogenannte Airifizierung. Dabei werden Löcher in den Rasen gestanzt und mit einem Granulat aufgefüllt. Weinel: „Das verbessert die Durchlüftung und die Entwässerung.“
Im April führte eine Firma die Rasenbelüftung aus – was laut Weinel 10 000 Euro kostete. Dann der Schock: „Wir sind danach den Platz abgegangen“, sagt das Vorstandsmitglied. „Dabei fanden wir in kurzer Zeit mehrere Handvoll scharfkantige Scherben. Manche waren so groß wie ein Zwei-Euro-Stück“. Sie suchten weiter – und fanden mehr. Viel mehr.
Hier zu spielen sei seitdem unmöglich, klagt Weinel. Die Plätze 3 und 4 ähneln jetzt einer Brachfläche: ungemäht, hohes Gras, dazwischen Büsche. „Das Ganze ist eine Vollkatastrophe.“ Dem Verein fehlten aktuell 16 000 Quadratmeter Trainings- und Spielfläche – bei 38 Mannschaften. „Da ähnelt die Planung schon höherer Mathematik“, sagt Weinel.
Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Laut Weinel würde es 600 000 Euro kosten, die Oberfläche der Plätze abzutragen und mit Rollrasen neu zu bepflanzen. Geld, das der Verein nicht habe, sagt Weinel. Und die Versicherung des Auftragsnehmers wolle dafür nicht aufkommen: „Die Versicherungskammer Bayern lässt uns ohne Ende hängen. Sie ist der Meinung, dass der Granulatlieferant Schuld hat und wir uns an ihn wenden sollen – dabei haben wir mit ihm gar kein Vertragsverhältnis.“
Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt ein Sprecher der Versicherungskammer Bayern, dass die Verunreinigung für den Versicherungsnehmer – also die Airifizierung-Firma – „nicht erkennbar“ gewesen sei. Schließlich habe er das eingesetzte Substrat schon in der Vergangenheit häufiger eingesetzt. „Aus diesem Grund trifft ihn kein Verschulden an dem Schadensfall“, so der Sprecher – das sei aber Voraussetzung für einen Schadensersatzanspruch. „Daher ist eine Übernahme von Schadenersatzansprüchen in diesem Fall leider nicht möglich.“
Der Verein hat nun Anwälte eingeschaltet. „Wir werden jetzt wahrscheinlich klagen müssen“, sagt Martin Weinel. „Dabei wollen wir das gar nicht, denn das verzögert alles nur noch mehr.“ Dem SV Waldperlach hilft jetzt wohl nur noch ein Sieg – vor Gericht.THOMAS GAUTIER