Bajuwarische Töne: Auch Blasmusik gab im Alten Rathaus.
Der gebürtige Inder Sourabh Dandage in Lederhosn. © Hangen (2)
Aus dem Saal des Alten Rathauses in der Münchner Innenstadt war die deutsche Nationalhymne laut bis auf den Marienplatz zu hören: eine große Gruppe sang voller Stolz. Der Grund: Die Sänger sind vor Kurzem offiziell zu deutschen Staatsbürgern geworden. Und um das zu feiern, lud sie der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ein. Neben der Festrede von Reiter begrüßte sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) die neuen Mitbürger per Video. Doch wer sind unsere neuen Mitbürger?
Eine von ihnen ist Anna Döge. Ursprünglich kommt die 36-Jährige aus Russland und gehörte dort der Minderheit der Udmurten an. „Ich habe schon damals gesagt, irgendetwas stimmt in diesem Land nicht“, erklärt sie. Daher verschlug es sie im Jahr 2012 nach München. Einige Zeit arbeitete sie in der Erwachsenenbildung und lehrte an der LMU ihre Sprache. Vor drei Monaten kam ihre kleine Tochter Augustina auf die Welt. Daher ist Anna Döge in Elternzeit. Mit Augustina und ihrem Mann Stefan (38) ist Anna Döge gern an der Würm unterwegs. Von ihrem Zuhause in Obermenzing ist die nur einen Katzensprung entfernt.
Auch Sourabh Dandage aus Laim ist nun offiziell ein Deutscher. Der 33-jährige gebürtige Inder aus der Umgebung von Mumbai ist seit acht Jahren in München. Vor Kurzem hat er das Studium Datenwissenschaft mit einem Master abgeschlossen. Nun ist er auf Jobsuche. Wer ihn sieht, merkt sofort, dass Sourabh Dandage ein Wiesn-Fan ist: Die Lederhose sitzt perfekt, die Weste hat er sich schneidern lassen. „Ich wollte eine Weste, die die indische und deutsche Tradition vereint, denn ich bin selber eine Art Mischung“, sagte er. Daher sind der Stoff und das Muster traditionell indisch.
Etwas anders ist die Geschichte von Berna Tulga-Akcan: Sie kam bereits mit neun Jahren nach Deutschland. Ihr Vater war türkischer Gastarbeiter. Die heute 55-Jährige wuchs in Deutschland auf und machte eine Ausbildung. Seit 27 Jahren ist sie im Personalmarketing tätig. Mittlerweile lebt Tulga-Akcan mit ihrer Familie in Neuhausen. „Die Einbürgerung war für mich der letzte Schritt“, sagt sie. „Ich möchte etwas mitbewegen und habe auch schon bei der Frage um München als Olympia-Austragungsort abgestimmt.“ Um Ruhe zu finden, sei München für sie genau der richtige Ort – am liebsten sei sie beim Nymphenburger Schloss oder im Hofgarten unterwegs.NICK MANDEL