MÜNCHNER FREIHEIT

Einbestellt zum Kaffee

von Redaktion

Die Idee hat was. Die Polizei lädt zum Kaffee, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Ich muss an Xaver Bartl aus der TV-Serie „München 7“ denken, den von Andreas Giebel hinreißend gespielten Polizisten der fiktiven Wache am Viktualienmarkt. Er kennt seine Leit, und die meisten Fälle erledigt er salomonisch, bevor sie mit eigenem Aktenzeichen ein Eigenleben entwickeln können. Es soll auch im wirklichen Leben noch Polizisten geben, die in ihrem Revier verwurzelt und bei den Menschen dort gleichermaßen bekannt und beliebt sind. Aber im Großen und Ganzen haben sich Bürgerschaft und Staatsgewalt, nun ja, ein wenig auseinandergelebt. „Coffee with a Cop“ (Ich muss, wenn auch ungern, zugeben: Das klingt flotter als alles, was mir dazu auf Deutsch einfällt) soll das nun ändern. Das Prinzip wird funktionieren, und genau das macht mir Angst. Nicht etwa, weil mir so viel Bürgernähe suspekt wäre – im Gegenteil: Ich sorge mich um unsere Freunde und Helfer.

Wie viel Kaffee verträgt so ein Polizist? Ist er nach der fünften Tasse noch dienstfähig, oder düst er aufgedreht und mit flackerndem Blick durchs Revier und schreibt alles auf, was sich bewegt? Ist die Dienstwaffe in seiner Hand nach der zehnten Tasse noch gut aufgehoben? Und schließlich: Kann er nach solch einem Kaffee-Einsatz noch schlafen oder verpasst er nach durchwachter Nacht den Dienstantritt zur nächsten Schicht? Fragen über Fragen, die erst der Praxistest wird klären können.

Sollte sich ein Erfolg abzeichnen, werden weitere Kaffeekränzchen nicht auf sich warten lassen. Auch anderen Berufsgruppen dürfte schließlich daran gelegen sein, den Kontakt zum Bürger zu intensivieren. Zum Beispiel Rettungssanitäter, die im Einsatz immer öfter von Schaulustigen ausgebremst, angepöbelt oder gar angegriffen werden. Sie können zu „Soup with a Sani“ in die Suppenküche laden, um im direkten Gespräch darzulegen, welchen Dienst sie für die Allgemeinheit leisten. Feuerwehrler könnten ähnliches beim „Frühstück mit der Feuerwehr“ tun. Hier, immerhin, klingt’s auf Deutsch besser.

Bei Ärzten hängt es von der Fachrichtung ab, in welcher Form sie den Kontakt zur Patientenschaft suchen. Reicht beim Hausarzt ein bescheidener „Drink beim Doc“, laden die gutverdienenden Radiologen zum „Aperitif beim Arzt“. Die Schönheits-Päpste von der Abteilung plastische Chirurgie müssen da noch eins draufsetzen. Sie verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen und bitten ihre illustre Kundschaft zum „Bankett mit Botox“.

Harmonische Zeiten stehen uns bevor. Zeiten, in denen wir uns näherkommen als je zuvor. Wenn wir denn die Zeit dafür haben. Denn im Terminstress zwischen Cop und Doc, Sani und Feuerwehr droht uns die Zeit für uns selbst zu entgleiten. Ich werde gegensteuern. Zu jeder der Einladungen, die mir da künftig ins Haus flattern, werde ich noch in der gleichen Woche einen eigenen Termin hinzufügen: „Meeting mit mir“. Ich verspreche: Ich werde auf jeden Fall pünktlich sein. Immerhin gibt’s Kaffee.

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