München ohne Olympia 1972?

von Redaktion

Die KI erklärt uns, wie die Stadt ohne die Spiele heute aussehen würde

Stau am deutlich veränderten Marienplatz – das ist die Vision der KI für ein München ohne die Spiele von 1972. © KI (2)

Jetzt geht’s auf die Zielgerade: Bis zum 26. Oktober können die Münchner über eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 abstimmen. Über Sinn und Unsinn streiten sich die Gemüter. Wie hätte sich unsere Stadt eigentlich ohne die Olympischen Sommerspiele 1972 entwickelt? Wir haben die KI nach diesem Szenario gefragt. Von der „Weltstadt mit Herz“ bleibt darin wenig übrig:

„Madrid!“ Dieses Wort trifft die Münchner Delegation am 26. April 1966 in Rom wie ein Schlag. OB Hans-Jochen Vogel sackt in sich zusammen. Der Traum von Olympia ist geplatzt. Im Lufthansa-Flieger zurück nach Riem herrscht Totenstille. Vogel starrt in die Wolken und denkt an die großen Pläne: Olympiagelände, U-Bahn, S-Bahn, Fußgängerzone. Alles Makulatur.

Ohne Olympia bleibt München im Dornröschenschlaf. Ohne Olympia fehlt der Druck, sich zu modernisieren. Die U-Bahn? Wird endlos diskutiert, aber erstmal nicht gebaut. Die Trambahn rumpelt noch Jahrzehnte über den Marienplatz, auf dem zwischen hupenden Autos und schwitzenden Touristen der Verkehr nie endet. Die Luft ist schlecht, die Laune oft auch. München riecht nach Abgas, nicht nach Aufbruch.

Erst 1989 kommt die S-Bahn, viel zu spät. Und die U-Bahn? Nur die U6 schafft es 2002 von Garching bis zum Harras. Die U3? Gestrichen. Wer will schon raus ans triste Oberwiesenfeld? Dort, rund um den alten Schuttberg, wächst ein Stück Brachland heran, das sich „Nordpark“ nennt, das aber keiner besucht. Wo in einer besseren Welt das Zeltdach geglitzert hätte, stehen Container, Schrottplätze und ein riesiger Parkplatz für Spediteure. Der Fernsehturm, der kein Olympiaturm werden durfte, steht einsam da – wie ein Mahnmal für verpasste Chancen.

BMW hat längst das Weite gesucht. 1984 zieht die Konzernzentrale nach Stuttgart um, wo fortan die „Baden-Württembergischen Motorenwerke“ triumphieren. Die Münchner Wirtschaft verliert ihr Zugpferd. Der FC Bayern bleibt im maroden Grünwalder Stadion stecken. Kein modernes Olympiastadion, keine Millionen-Einnahmen, kein „Mia san mia“. Nach dem Abstieg 1986 dümpeln die Roten über ein Jahrzehnt in der 2. Liga, während der HSV seine elfte Meisterschaft feiert.

Alles bleibt in München, wie es immer war – und wo es immer war. Die Idee, das Oktoberfest auf das „Nordpark“-Gelände am Oberwiesenfeld zu verlegen und stattdessen auf der Theresienwiese das „Wiesn Urban Village“ als neues Stadtquartier zu bauen, scheitert kläglich: keine U-Bahn rund um den Fernsehturm, kein Geld, keine Kraft im Münchner Parteiengezänk.

Die Stadt versucht trotzdem, sich neu zu erfinden. In den 1980er-Jahren gibt sie sich einen neuen Slogan. Man versucht es mit Ehrlichkeit und Bescheidenheit: „München – ganz okay.“ Die Einheimischen nehmen es mit Galgenhumor hin.

München bleibt solide, aber brav. Kein Zeltdach, keine Vision. Architektur? Zweckmäßig. Politik? Im Verwaltungsmodus. Ganz okay eben.JÖRG HEINRICH

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