MÜNCHNER FREIHEIT

Millionen für fünf Ringe

von Redaktion

Für Großverdiener und Millionäre ist es überhaupt kein Problem, dem oder der Geliebten einen Ring im Wert einer siebenstelligen Summe als „Bewerbung“ zu schenken. Da hat so ein „Anstecker“ nicht nur Symbolkraft. Anders die olympischen Ringe, da steckt schon mehr dahinter, es sind ja auch fünf Stück und da muss schon eher ein achtstelliger Betrag aus dem Geldbeutel fließen, um sich zu bewerben.

Der Bürgerentscheid steht an und der stellt mich schon vor die erste Frage: Warum dürfen denn nur die Münchner Bürger über die Bewerbung entscheiden? Es wird doch auch die Bewohner des Umlands betreffen, oder? Wo wird denn Mountainbike gefahren? Wo würde gesegelt und gesurft werden? Und was ist mit den Geschäftsleuten? Da wohnt auch nicht ein jeder in München, sondern vielleicht im Speckgürtel und noch weiter draußen. Für die wären die Spiele schon von Bedeutung. Positiv oder negativ. Werden die „In-und-um-Erdinger“ gefragt, ob sie überhaupt so ein temporäres Schwimmbad am Flughafen wollen? Wir haben doch in München ein ganz tolles Schwimmbad, welches auch Olympia-Schwimmhalle heißt. Nachhaltiger ginge es ja nun wirklich nicht. Und was ist? Es sind zwei Bahnen zu wenig! Kann man die nicht temporär in der Nähe „einfügen“? Oder (ich sag’ das jetzt mit meinem absolut fachlichen Unwissen) es muss halt mehr geschwommen werden. Anstelle drei oder vier Vorläufen, gäbe es halt dann fünf, oder sechs. Ja, so einfach stelle ich mir das vor.

Experten vermuten, dass – wenn überhaupt – wir frühstens die Spiele 2040 oder 2044 bekommen. Das wäre in 15 oder 19 Jahren. Wer weiß, was bis dahin noch für Sportarten zur olympischen Disziplin erklärt werden. Sommerslalom, oder Sommerskispringen vielleicht. Dann muss man aber auf alle Fälle das Voralpenland miteinbeziehen. Vielleicht denken die Nichtstädter ganz anders? Aber vielleicht wissen die Bewerber mehr als wir. Der Münchner Stadtrat hat sich Ende Mai für eine Olympiabewerbung ausgesprochen. Im Sinne einer „möglichst transparenten Kommunikation und umfassenden Einbeziehung der Bevölkerung“ wird aber das Ergebnis des Bürgerentscheids ausschlaggebend sein, ob es überhaupt eine Bewerbung geben wird.

„Sind Sie dafür, dass sich die Landeshauptstadt München um Olympische und Paralympische Spiele bewirbt, die entweder im Jahr 2036, 2040 oder 2044 stattfinden?“ Wenn Sie in der Hauptstadt gemeldet sind, dann dürfen Sie mit „Ja“ oder „Nein“ antworten. Keine leichte Entscheidung. Viele Sportlerherzen schlagen höher, wenn es um die fünf Ringe geht. Aber haben wir bis dahin überhaupt noch genügend deutsche Teilnehmer? Keine Schwimmhallen – keine Schwimmkurse für Kinder. Keine Bundesjugendspiele mehr, weil diese ja so „wettkämpferisch“ sind. Kinder von heute wären für die beworbenen Spiele im besten Alter. Aber auch nur dann, wenn sie trainieren, durchhalten, schwitzen, beißen, Körner zeigen, Rückschläge einstecken, Teamplayer sind, Handys aus der Hand legen … Das allein sind schon genug Disziplinen für einen Wettkampf, der sofort beginnen kann und fast nix kostet!