Besorgt: Ibrahim Essiz, Theo Stergiou und Ömer Pala (r.).
Rentner Roman M. hat kein Kabel-TV mehr.
Die Feuerwehr rettete Bewohner mit einer Leiter.
Ein total abgebranntes Kellerabteil – der jüngste Angriff des Feuerteufels. © Oliver Bodmer
Im Mehrfamilienhaus Ittlingerstraße 64 bis 72 ist buchstäblich Feuer unterm Dach. In nur zwei Wochen legte ein Feuerteufel dort fünf Brände. 13 Menschen wurden verletzt, die Kripo ermittelt. Unfassbar: Der Brandstifter zündelte laut Bewohnern sogar, als Feuerwehr und Polizei vor Ort waren.
Das heftigste Feuer loderte am vergangenen Sonntag. Um 20.20 Uhr brannte es plötzlich im Keller des Hauses Nummer 72. Acht Menschen wurden laut Polizei dabei verletzt, der Schaden geht wohl in die Zehntausende. Mehrere Verschläge wurden zerstört. Die Flammen beschädigten auch Heizungsrohre, durch die Hitze schmolzen die Neonröhren. Es war der dritte Brand an diesem Tag, davor hatte es laut Polizei bereits zwei Mal gebrannt – um 14.50 Uhr und ganz in der Früh!
Auch am Samstag hatte der Feuerteufel gezündelt – diesmal in einem Keller der Nummer 66. Hausbewohner Theo Stergiou (65) wurde durch das Feuer an jenem Tag um 22.40 Uhr aus dem Schlaf gerissen. „Meine Frau weckte mich, sie war zum Glück noch wach“, sagt der Stadt-Angestellte. „Aus dem Keller kam Rauch. Meine Frau und mein Sohn liefen sofort runter und löschten das Feuer mit Wasser und Decken. Dort hatte jemand im Zählerraum Holz angezündet.“
Selbst als die Einsatzkräfte da waren, machte der Feuerteufel weiter. Sergiou: „Alles war voller Polizei und Feuerwehr – da zündete der Typ im Haus Nummer 68 einen Bürostuhl an. Das ist schon rotzfrech!“ Tatsächlich gab es laut Polizei eineinhalb Stunden nach diesem Brand ein weiteres Feuer im Keller – am Sonntag um 0.15 Uhr. Am Sonntagnachmittag um kurz vor 15 Uhr hieß es dann wieder: Alarm! „Jemand schrie: Feuer!“, sagt Stergiou. „Es brannte in Haus Nummer 70. Drei Jungs mussten aus einem Fenster im zweiten Stock auf ein Vordach springen.“
Auch dabei handelte es sich um einen Kellerbrand. „Mein Abteil hat es auch erwischt“, sagt Christa Huber (86). Viel mehr stört sie, dass sie seitdem keine Heizung und keinen TV-Anschluss mehr hat. „Uns ist kalt.“ So geht es auch ihren Nachbarn aus Haus 68 – etwa Rentner Roman M. (87): „Wir haben seit Tagen keine Heizung und keinen Kabelanschluss in unserer Wohnung“, sagt er. In Haus 66 gibt es seit den letzten Bränden keinen Strom mehr, so Theo Stergiou. Die Münchner Wohnen konnte auf Anfrage nichts dazu sagen.
Supermarkt-Angestellter Ibrahim Essiz (35) und BMW-Arbeiter Ömer Pala (39) wohnen in Haus 66 und sind besorgt: „Wer macht so was, warum immer in unserem Haus? Ömer und ich müssen abends und nachts arbeiten. Was, wenn er da noch mal zuschlägt?“
Die beiden mussten mit ihren Familien am Wochenende ihre Wohnungen verlassen – weil das Haus keinen Strom und keine Heizung hatte, so Essiz. „Wir sind ins Hotel gezogen, die Münchner Wohnen übernimmt das.“ Essiz hat vier Kinder, Pala hat drei. „Die sind schockiert. Immer, wenn meine Tochter eine Sirene hört, fragt sie: Brennt es schon wieder?“THOMAS GAUTIER