MÜNCHNER FREIHEIT

Heute im Angebot: Führerschein!

von Redaktion

Forscher der Universität Berkeley haben herausgefunden, dass die Gehirne von Eichhörnchen während der Vorratszeit im Herbst wachsen. Insbesondere die für das Gedächtnis und die Navigation zuständigen Hirnareale, um die für den Winter versteckten Vorräte zu organisieren und wiederzufinden. Das restliche Jahr schrumpft das Gehirn der Tiere wieder. Da haben Frauen wohl eine größere „Verwandtschaft“ zu diesen kleinen Nagern als das männliche Geschlecht. Vielleicht erinnere ich mich deshalb noch so gut an meine Führerscheinprüfung und die Zeit davor, obwohl das schon eine Ewigkeit her ist. Für damalige Verhältnisse war der Führerschein schon kein Schnäppchen, man musste viel lernen und viel Auto fahren. Alles wird teurer, natürlich auch der Führerschein. Jetzt wird aber versucht, ihn zum Sonderangebot werden zu lassen, und das Wie macht mir Sorgen.

Einfacher, günstiger, digitaler. Einfacher? Der Verkehr auf den Straßen wird immer unübersichtlicher und erfordert viel mehr Aufmerksamkeit als früher. Günstiger? Heute im Angebot: Führerschein – Zwei zum Preis von einem! Vielleicht sollten Fahrschulen ihre Schüler nicht in dicken großen Autos lernen lassen, die sie später sowieso nicht fahren werden, sondern eher was Kleineres, „Handlicheres“. Digitaler? Die Theorie, die kann sehr gerne zu Hause erlernt werden, KI-generiert, bebildert, mit Filmchen, was auch immer dazu gehört. Die Prüfung aber dann nicht von Mutti oder Papi machen lassen, sondern selbst in einem Prüfungslokal. Weniger Prüfungsfragen? Ja okay. Weniger Bürokratie? Bin ich aber absolut gleicher Meinung.

Simulatoren? Damit solle man die Fahrt mit schaltgetriebenen Fahrzeugen erlernen? Prüfung wäre dann aber in einem Automatik-Wagen. Das leuchtet mir noch ein. Ich persönlich liebe Schaltgetriebe, mein Mann Automatik. So kann ich immer mal wieder „hin- und herschalten“. Schadet nicht. Aber dann denke ich mir, ob der Verkehrsminister schon auch manchmal selbst mit dem Auto fährt, wenn er vorschlägt, die Zahl der vorgeschriebenen besonderen Ausbildungsfahrten (Nacht-, Autobahn- oder Überlandfahrten) zu reduzieren. Auch hier möchte er wieder auf Simulatoren zurückgreifen. Das macht mir doch ein bisschen Angst.

Nacht simulieren? Situationen auf der Autobahn? Winterliche Straßenverhältnisse, wenn man im Sommer geprüft wurde? Die Schüler haben doch immer im Kopf, dass sie „nur“ in einem Simulator sitzen, egal wie „echt“ diese sich verhalten, und ihnen nichts passieren kann. Das ist im „wahren“ Verkehr schon noch mal eine ganz andere Nummer. Die Vorstellung, dass auch nahestehende Personen wie Eltern oder Verwandte in die praktische Ausbildung eingebunden werden sollen, lässt mich hoffen, dass das erst passiert, wenn ich meine Fahrerlaubnis abgegeben habe. Der Führerschein kann gerne günstiger gemacht werden, aber bitte nicht auf Kosten anderer Verkehrsteilnehmer.