Technik-Tempel am Tucherpark

von Redaktion

Gigantische KI-Fabrik für München: Wir stellen das Milliarden-Projekt vor

Von Deutschland für Europa: Nvidia-Chef Jensen Huang (l.) und Telekom-Chef Tim Höttges stellten das Konzept ihrer KI-Fabrik vor. Im Tucherpark (Foto oben) wird sie sich unterirdisch über mehrere Stockwerke erstrecken. © Carsten Koall

Es sei „ein ganz besonderes Umfeld“, sagte Telekom-Chef Tim Höttges bei einer Pressekonferenz in Berlin über den Standort München. Im Tucherpark am Englischen Garten entsteht eine gigantische KI-Fabrik des Bonner Konzerns und des US-Chipkonzerns Nvidia (wir berichteten). Dafür wird ein Rechenzentrum grundsaniert. Die KI-Fabrik erstreckt sich über mehrere Stockwerke unter der Erde auf etwa 3000 Quadratmetern und soll mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Gekühlt werden soll das Zentrum durch den Eisbach nebenan. Die Kosten des Projektes: mehr als eine Milliarde Euro. Klingt alles recht futuristisch, soll aber bereits Anfang 2026 nach nur sechs Monaten Planung einsatzbereit sein.

Die „Industrial AI-Cloud“, eine industrielle KI-Cloud, soll für digitale Souveränität in Europa sorgen. Die Plattform ist Europas erste Cloud-Infrastruktur speziell für industrielle Künstliche Intelligenz. München sei dafür „ein gut geschützter Standort“, sagte Höttges. Etwa 10 000 Hochleistungschips werden in das Rechenzentrum eingebaut. „Es geht um Optimierung“, sagte der Telekom-Chef. „Deutschland wird nicht überleben, wenn wir uns an die neue Technologie nicht anpassen und diese nicht nutzen.“

Beim Umgang mit den Daten kämen nur Mitarbeiter aus Deutschland und Europa zum Einsatz. „Alle Daten bleiben in Deutschland und verlassen unser Land nicht“, sagte Höttges. Die Technologie stamme aus Deutschland und den USA. Zu den Kunden der KI-Fabrik zählen unter anderem Agile Robots aus München, Quantum Systems aus Gilching, Siemens, die Deutsche Bank und Perplexity.

Das Rechenzentrum sei der Beginn einer neuen Wachstumsphase für die Industrialisierung in Deutschland, sagte der Nvidia-Chef Jensen Huang. Sein Unternehmen ist ein Branchenriese und der weltweit bedeutendste Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen. Auch der Softwarekonzern SAP ist Partner. „Wir wollen den nächsten Schritt der industriellen Revolution einleiten“, sagte SAP-Chef Christian Klein.

Der Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, Karsten Wildberger (CDU), sprach von einer Investition mit Signalwirkung. Die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär (CSU), plädierte grundsätzlich für „mehr Wagnis für mehr Wachstum“. Laut Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) ist es „der nächste Hammer-Coup für den Digitalstandort Bayern“. Die KI-Fabrik sei jedenfalls erst der Anfang, sagte Telekom-Chef Höttges. Europäische Gigafactories, also gigantische KI-Fabriken, sollen bald in ganz Europa folgen.FRANZISKA WEBER

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