Surfer Mathias Schmidt ist besorgt.
Moderne Technik im Einsatz: Experten aus Hamburg vermessen mit speziellen Geräten den Strömungsverlauf. © Imago, Bodmer (2)
Ein rot-grünes Brett gleitet an einem Seil über den reißenden Bach. Es sieht ein wenig aus wie ein Mini-Surfboard, nur dass es mit moderner Messtechnik ausgestattet ist. Es ist das einzige Brett, das auf dem Wasser auf dem Eisbach am Haus der Kunst gerade zu sehen ist. Denn: Die Welle, auf der normalerweise Surfer durchs Wasser pflügen, ist seit vergangenem Freitag verschwunden (wir berichteten). Nach der Bachauskehr kehrte sie nicht wie gewohnt zurück.
Um das Wellen-Rätsel zu lösen, kam gestern das rot-grüne Brett zum Einsatz. Wasserbau-Spezialisten der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg führten am Vormittag Messungen zum Strömungsverlauf und zum Untergrund der Eisbachwelle durch. Erste Maßnahmen am Mittwoch hatten keinen Erfolg gebracht, heißt es von der Stadt. Dabei wurde der Zufluss zur Welle verändert – sie blieb jedoch weiter aus. Weitere Maßnahmen sollen folgen. Für Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die Wiederherstellung der Welle „höchste Priorität“. Die Stadt wolle dafür eng mit der Münchner Surf-Community zusammenarbeiten. Die leidet unter der derzeitigen Situation: „Es war insgesamt ein extrem schwieriges Jahr für uns“, sagt Mathias Schmidt von der Interessengemeinschaft Surfen in München. Bereits Mitte des Jahres war die Stelle für mehrere Wochen nach einem tödlichen Unfall gesperrt – und nun das.
Indes geht der Surf-Betrieb an der kleinen Eisbachwelle E2 (Dianabadschwelle) stromabwärts weiter. Nur: Seit diesem Jahr ist der Einstieg für Surfer dort an beiden Ufern durch einem Zaun verbaut. Die Sportler müssen sich oft mühsam an den Gittern entlanghangeln. „Dabei ist die Welle extrem wichtig für uns“, sagt Schmidt. Vor allem für Einsteiger, doch für die sei die Situation nun besonders kompliziert. Die Stadt kündigte deshalb Anfang Juli an, das Grundstuck um E2 mit dem Freistaat tauschen zu wollen – dem gehört die Fläche bislang noch. So könnte die Stadt das Surfen dort offiziell legalisieren – noch ist es nur geduldet – und den Zaun zumindest auf einer Seite abbauen. Ursprünglich hieß es, dass das möglicherweise bereits bis Ende des Sommers passieren könnte. Doch die Verhandlungen für den Tausch dauern immer noch an, heißt es aus dem Rathaus. Unabhängig davon werde überlegt, wie man die Situation dort verbessern könne. JULIAN LIMMER