Kochtechnisch bin ich so dermaßen altmodisch, dass man vermuten könnte, ich wäre zwanzig Jahre älter. Vielleicht hat das auch etwas damit zu tun, wie man aufgewachsen ist. Bis ins Teenageralter war ich unter der Woche bei meiner Omi und am Wochenende bei meinen Eltern. Sie war daheim, meine Eltern haben beide gearbeitet. Wenn man viel Zeit hat, dann nimmt man sich diese, um „langsam“ zu kochen. Viele Schmorgerichte, Eintöpfe und Mehlspeisen. Oft hat meine Großmutter auch mehr gekocht und am Freitag immer eine Kühltasche voll in den Kofferraum gepackt, um meiner Muttl das aufwendige Kochen zu ersparen. Von Pichelsteiner über diverse Krautgerichte bis hin zu Rohrnudeln und Rupfhaubn. Teile davon habe ich übernommen. Ich liebe Schmorgerichte und bereite diese auch sehr gerne zu. Mit „Süßkram“ kann ich wenig anfangen. Liegt daran, dass ich selbst eher Typ Vor- als Nachspeise bin.
Man konnte mich schon in den 80er-Jahren nicht für die berühmte AMC-Topfreihe gewinnen und jetzt für den modernen Thermomix ebenso wenig. Ich schmore also weiter vor mich hin. Mein „Meisterstück“ ist eine original italienische Bolognese, die über Stunden auf dem Herd „schmurgelt“, und die kommt mir nicht in eine Küchenmaschine! Im Zuge fettärmerer Ernährung haben wir Pommes, Bratkartoffeln und dergleichen im Backofen Frittiertes weitgehendst von unserem Ernährungsplan gestrichen. Aber jetzt gibt es da diese Heißluft-Fritteusen. Auch gegen eine solche habe ich mich bis jetzt erfolgreich „gewehrt“. Bis jetzt. Ich war letzte Woche bei einer Freundin zum Frühstück eingeladen und da stand auch so eine in der Küche. Wie ich sie darauf angesprochen habe, ist sie gewaltig ins Schwärmen geraten. Nach fünf Minuten Aufzählung, was man darin alles zubereiten kann und noch dazu so fettarm, da war ich schon fast überzeugt. Fast. Dieses „Fast“ hat aber nicht lange angehalten. Seit Montag steht so eine „Schönheit“ bei mir in der Küche. Sie gibt sich alle Mühe, gut auszusehen und mir zu gefallen. Das tut sie!
Nicht nur durch das elegante Dastehen in unschuldigem Weiß, nein, auch durch Handhabung und Ergebnis. Schluss mit gut fettigen Pommes aus der Pfanne oder vom Backblech, die näher dem Kartoffelbrei, als einem Kartoffelstangerl waren. Ein erster Versuch: Kartoffeln vom Bauer meines Vertrauens geholt, den Pommes-Schnitt praktiziert, ein Hauch von Öl gesprüht, in zwei Schüben gut verteilt, nach zehn Minuten einmal durchgeschüttelt und nach weiteren zehn waren sie fertig. Und was soll ich sagen? Eine Offenbarung! Perfekte Pommfritz! Goldbraun, nicht fettig und absolut knusprig. Ein absolutes Geschmackserlebnis! Ich glaube, das war erst der Anfang. Ich werde weiter testen, mich auch auf unbekanntes Röst- und Back-Terrain wagen und „Fritta“, so habe ich meine neue „Küchendame“ getauft, eine Chance geben. Mal sehen, ob da mehr ist als nur „heiße Luft“.
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