Mieter in Angst um ihre Wohnungen: Verbände planen Demo in München

von Redaktion

Vertreter mehrerer Organisationen kündigten in der Türkenstraße eine Kundgebung an. © Oliver Bodmer

Max Ott hat 24 Jahre in der Türkenstraße gelebt: „Erst in der Nummer 52, die es so nicht mehr gibt.“ Dort steht inzwischen ein Neubau mit Luxus-Eigentumswohnungen. Ein Schicksal, das auch der Türkenstraße 54 droht, wo Ott vor seinem Umzug nach Berlin mit den Eltern wohnte. Wimmelbuch-Autor Ali Mitgutsch lebte ebenfalls bis zu seinem Tod dort und kämpfte für den Erhalt des Gebäudekomplexes aus der Gründerzeit.

Inzwischen ist das Haus in der Türkenstraße 54 eingerüstet. Otts Vater ist vor Kurzem dort gestorben. Jetzt spricht Max Ott für seine Mutter, die sich normalerweise für Mieterinteressen engagiert. „In den letzten 18 Jahren haben meine Eltern fast den gesamten Wahnsinn miterlebt, der Mietern blüht, wenn auf der anderen Seite des Mietverhältnisses plötzlich die Erwartung auf Maximalverwertung ihres Zuhauses aufgebaut wird“, berichtet Ott bei der Ankündigung einer großen Mietendemo Anfang kommenden Jahres.

Verschiedene Organisationen wie der Münchner Mieterverein, der Paritätische Wohlfahrtsverband oder das Bündnis „Ausspekuliert“ haben sich in einer bundesweiten Mietstoppkampagne zusammengeschlossen. Matthias Weinzierl (Flüchtlingsrat) und Julia Richter (Initiative „Mehr Lärm für München“) erklären, warum sie zur Mieter-Demo aufrufen: „Wir wollen am 7. Februar – einen Monat vor der Kommunalwahl am 8. März – noch einmal unsere ganze Wut über diese Situation in München auf die Straße tragen.“ Von der Politik erwarten sie einen effektiven Mietendeckel und den Erhalt von Sozialwohnungen. Gleichzeitig fordern sie, dass öffentliche Immobilien nicht mehr an Investmentfirmen verkauft werden dürfen und der Leerstand beseitigt wird.

Monika Schmid-Balzert vom Mieterverein erlebt durch ihre Arbeit täglich, „wie schlecht es den Mietern hier in München geht“. Vor allem die Verdrängung mache ihnen zu schaffen. „Gefühlt geht da gerade eine neue Welle durch München.“ Sie will sich im Mieterverein vor allem dafür einsetzen, dass die Bodenspekulation eingedämmt wird. GABRIELE WINTER

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