MÜNCHNER FREIHEIT

Six Seven Gsuffa

von Redaktion

Wenn ich daran denke, was sich aktuell bei mir daheim abspielt, habe ich eine grobe Ahnung, was in München zwischen Blumenau und Waldfriedhof los ist. Denn dort verkehrt die Buslinie 167 und die Zahlen 6 und 7, die lassen im Moment niemanden kalt – zumindest, wenn man jung ist oder sich so jung fühlt, wie Sie und ich. 4711 oder Rosis Sperrbezirk-Telefonnummer 32-16-8 sind vergessen. „Six Seven“ macht alles platt.

Verstehen Sie Bahnhof? Kurz erklärt, so weit ich es selbst schon kapiert habe. Ein amerikanischer Rapper, ziemlich wüst aussehend, machte Anfang des Jahres ein Lied namens „Doot Doot 6 7“. Seine Fans begannen sich zu fragen, warum „6“ und „7“ und dann war da irgendwann ein aufgewecktes Kind, das „Six Seveeen“ in eine Kamera rief. Und jetzt ist das alles, „Six Seveeen“, ein globaler Hype und ja, ob Sie es glauben oder nicht: auch bei Ihnen, ob in Murnau oder Emmering.

Meine Kinder berichten Erstaunliches aus der Schule: die Lehrerin ruft Aufgabe 67 aus, die Klasse lacht sich tot und ruft „six seven“. Mein Sohn spielt Fußball, es steht 6 zu 6, jede Mannschaft will unbedingt das siebte machen, dann passiert es und alle: „Six Seveen“. Völlig sinnlos, aber harmlos: Keine abendländische Kultur in Gefahr, kein Sinn dahinter, einfach verrückt. Steile These: Karl Valentin hätte „Six Seveeen“ gefallen.

Und wie jetzt weiter? Ihre Kinder oder Enkel rechnen definitiv nicht damit, dass Sie eine Ahnung von „Six Seven“ haben – das müssen Sie ausnützen und alle überraschen: Sie haben sozusagen die Lambada-Tanzschritt-Anleitung und es ist noch nicht 1989! Hier ein paar Vorschläge: Wenn Sie in einem Bus mit Schülern sitzen, sagen Sie „ich muss in sechs oder sieben Stationen raus“. Wenn Sie heute noch am Markt Tomaten kaufen, stellen Sie sich neben einen jüngeren Menschen und sagen Sie „geben Sie mir so sechs oder sieben, six seven“ halt. Sie werden bejubelt werden, mindestens mit: „Yo bro(ther)“ oder „dascrazy“.

Aber Beeilung, bald ist es vorbei. Ein paar Tage noch, dann beißt der Ministerpräsident in eine Semmel und wundert sich gespielt, dass „sechs oder sieben Bratwürste drin sind“. Der FC Bayern wird eine Sonderedition eines Trikots mit Rückennummer 67 machen, Blaskapellen werden „Six Seven Gsuffa“ ansagen. Und die Münchner Verkehrsgesellschaft wird sich bisserl ärgern, warum ihr Bus 167 heißt und nicht einfach 67. Was wären das für Bilder, der Oberbürgermeister am Lenkrad des „Six Seven“-Busses!

Und Sie da, ja Sie, beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nicht wundern, wenn Ihre Hausnummer plötzlich abgeschraubt wird. Oskar-von-Miller-Ring Nummer 67, die will jeder haben. Und sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht mindestens sechs- bis siebenmal gewarnt.