MÜNCHNER FREIHEIT

Märchenhafte Welle

von Redaktion

„Es war einmal eine schöne Stadt, mit Herz und einem Bach mit Dauerwelle. Viele Menschen aus aller Herren Länder kamen, um sie zu bestaunen. Das konnte man von einer Brücke aus, oder vom Ufer des relativ kleinen Baches, der an dieser Stelle aber ganz wild war, sodass eine große Welle entstand auf der Mann und auch Frau mit einem Surfbrett reiten konnte. Gar lustig surften sie umadaum auf den Wellen. Dann kamen andere Männer und Frauen, die den Eisbach (den Namen hat er wegen seines glasklaren, sehr kalten Wassers, welches aus dem Wildfluss Isar kam) nach bestem Wissen und Gewissen sauber gemacht haben. Dazu wurde der Wasserspiegel abgesenkt, um dann Kies und Äste und anderes Zeug aus dem Bachbett zu räumen. Und wie der Bach danach wieder wie gewohnt fließen durfte, da wollte, oder konnte er nicht mehr so, wie er sollte.

Aber warum denn nur? War er sauer, weil man ihm sein „Spielzeug“ weggenommen hatte, dass er über das ganze Jahr gesammelt hatte? Oder war er nur müde vom Wellemachen und wollte einfach auch mal nur ein Bach sein, der gemütlich vor sich hinfließt? Oder wurde die Welle gar entführt? Von einem bösen Surfer, der die Welle für sich ganz alleine haben wollte? Kein Mensch konnte das beantworten. Und wieder kamen viele Leute, die sich einerseits ärgerten, weil sie doch angeblich ein Wahrzeichen der Stadt sei und die Touristen jetzt keine Fotos machen konnten und sich andererseits große Sorgen machten und dem Bach helfen, ja, ihn stärken wollten – auch das vergeblich. Mittlerweile war es fast Winter und der Bach kam endlich zur Ruhe und Mutter Natur tröstete ihn, dass Dauerwelle sowieso keiner mehr trägt und absolut „out“ ist. Da hat sich der kleine Bach so gefreut und vor Lachen geprustet und gepupst, dass da auf einmal wieder eine kleine Welle war…“

So oder so ähnlich könnte das Märchen vom kleinen Eisbach gehen. Aber es ist kein Märchen. Wir haben ein Dauerthema statt Dauerwelle. Ich mache mir fast Sorgen, wenn ich mal einen Tag keine Informationen zur Eisbachwelle höre oder lese. Immerhin haben wir schon 18 Tage keine Welle! Die Stadt und viele Münchner, wie auch Hamburger und andere Experten, wollen alles Menschenmögliche tun, dass wir baldigst wieder eine bewundern können. Solch ein Engagement würde ich mir an anderer Stelle auch für Dinge wünschen, die plötzlich verloren gehen und für uns Münchner weitaus wichtiger wären. Und da kann man sich gerne in eigenen Gedanken verlieren, was das sein könnte.