Hart an der Bomben-Grenze

von Redaktion

Moosach: Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft – So ging’s den Anwohnern

Die Sperrzone für die Entschärfung der Bombe teilte die Ernst-Platz-Straße (Foto oben): Links wurden Häuser evakuiert. Rechts nicht. Unten ein Foto der entschärften Bombe. © Jens Hartmann (3), Felix Hörhager/dpa

Knapp neben der Sperrzone: Gabriele Huber.

Ivan Voncina musste seine Wohnung verlassen.

Gabriele Huber (66) steht auf dem Balkon ihrer Wohnung an der Ernst-Platz-Straße in Moosach. Sie kocht gerade Geschnetzeltes und holt das Sieb für die Spätzle. Ihr Mann schaut derweil den Ski-Slalom der Frauen im Wohnzimmer. Auf der anderen Straßenseite ist’s weniger gemütlich: Die Häuser sind leer – alle evakuiert.

Eine Straße, zwei verschiedene Sonntage: Gestern verlief hier genau in der Mitte der Fahrbahn die Grenze der Sperrzone zur Entschärfung der 500-Kilo-Weltkriegsbombe, die am Mittwoch am Westfriedhof gefunden wurde. Bedeutet: Die Anwohner im Osten der Linie mussten um 9 Uhr ihr Zuhause verlassen. Die anderen im Westen durften bleiben, hart an der Bomben-Grenze.

Ivan Voncina (63) musste seine Wohnung verlassen. Gegen 11 Uhr fuhr der Kfz-Mechaniker bei minus 2 Grad auf seinem E-Roller durch die Straße. Er wohnt ein paar Meter weiter östlich in der Karlingerstraße, also in der 700 Meter weiten Sperrzone rund um den Blindgänger. „Seit 8 Uhr bin ich unterwegs, war Kaffee trinken. Mal sehen, was ich als Nächstes mache“, sagt er. Seine Hoffnung: Vielleicht geht’s schnell.

Es dauerte etwas länger: Um 9 Uhr mussten 7000 Münchner ihre Häuser verlassen. Ab da liefen Feuerwehrleute und Polizisten Haus für Haus und Wohnung für Wohnung ab. Sie klingelten und schauten nach, ob keiner zu Hause ist. Die Kontrolle war um 12.25 Uhr abgeschlossen. Erst dann machte sich ein Kampfmittelräumer an die Entschärfung. Um 14.05 Uhr war alles vorbei.

Sechs Stunden Bomben-Nomade – für Ivan Voncina nicht schlimm. Er war sogar froh, dass die Behörden ihn aus dem Haus jagten. Sicherheit geht vor, meint Voncina: „Ich habe den Krieg in Kroatien erlebt. Mit Bomben ist nicht zu spaßen.“THOMAS GAUTIER

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