Dass niemand verletzt wurde, gleicht einem Wunder. Unbekannte haben am Mittwoch eine massive Kabelabdeckung von oben auf eine fahrende S-Bahn fallen lassen. Das schwere Betonteil krachte voll auf die Scheibe am Führerstand: Dabei wurde das Glas zwar zerstört, es gab aber nicht komplett nach. Das war das große Glück für den Triebfahrzeugführer: „Er blieb unverletzt“, teilt die Bundespolizei mit. Für die 700 Fahrgäste, die sich in der S1 befanden, war die Fahrt in Feldmoching aber zu Ende.
Sie mussten gegen 17.20 Uhr alle aussteigen und erst einmal warten. Zu der Tat war es zwischen den Haltepunkten Feldmoching und Moosach gekommen. Der oder die Täter standen dabei auf einer Gleisbrücke, die direkt über die Schienen führt. Von dort ließen sie die Beton-Abdeckung, die mindestens 40 Kilogramm wiegt, auf den Zug fallen. Ermittler der Bundespolizei fanden das Teil später am Tatort.
„Nach dem Vorfall wurde der betroffene Gleisbereich zwischen 17.30 Uhr und 18.44 Uhr gesperrt, was zu acht Teilausfällen und zwei Umleitungen führte. Ein Ersatzzug wurde bereitgestellt, um die betroffenen Reisenden weiterzubefördern“, heißt es vonseiten der Bundespolizei. Die S-Bahn konnte aufgrund der beschädigten Scheibe die Fahrt nicht fortsetzen und musste zur Reparatur ins Betriebswerk Steinhausen gebracht werden.
Zwar wurde sofort vor Ort und in der Umgebung nach den Tätern gesucht – die Fahndung brachte aber keinen Erfolg. Deshalb ermittelt die Bundespolizeiinspektion nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Sie bittet Zeugen, die Hinweise zu der gefährlichen Tat geben können, sich unter der Telefonnummer 089/5155500 zu melden.
Schon etwas früher am Mittwoch waren die Beamten zum ICE-Betriebswerk der Bahn an der Landsberger Straße gerufen worden. Dort war ein Mitarbeiter bei Reparaturarbeiten an der Oberleitung lebensbedrohlich verletzt worden. Der 58-Jährige befand sich gegen 13 Uhr auf der Arbeitsplattform eines Bauzuges und arbeitete unmittelbar an einer abgeschalteten Leitung. „Aus bislang ungeklärter Ursache kam die Arbeitsplattform zu nahe an die stromführende Oberleitung des benachbarten Gleises, was zu einem Spannungsüberschlag führte.“
Durch den elektrischen Schlag wurde der 58-jährige Mann schwerst verletzt. Die Ärzte im Krankenhaus kämpfen nach Angaben der Bundespolizei um sein Leben.N. HOFFMANN, T. GAUTIER