Wird täglich gebraucht: Das Briefzentrum in Germering.
Das Fahrrad dieser Briefträgerin ist voll bepackt – nach einem Ende des Papierbriefs sieht es derzeit nicht aus. © Marcus Schlaf, dpa, Deutsche Post
Die dänische Post tut es: Sie stellt ab 1. Januar den Briefversand ein. Das Geschäft im nördlichen Nachbarland ist seit dem Jahr 2000 um 90 Prozent eingebrochen, den Rest übernehmen künftig private Unternehmen. Zuvor war die Situation dort ähnlich wie bei uns: Postämter schlossen, es wurden Briefkästen abgebaut. Droht das Brief-Aus jetzt auch bei uns?
„Nein“, sagt der Münchner Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff (SPD). Roloff ist im Beirat der Bundesnetzagentur, die die Post kontrolliert, und erklärt: „Auch wenn die Zahl der versendeten Briefe zurückgeht, reden wir in Deutschland immer noch von zwölf Milliarden Briefsendungen pro Jahr. Ich glaube nicht, dass es bei solchen Voraussetzungen so kommt wie in Dänemark.“ Bei unseren Nachbarn sei das Brief-Aus politisch gewollt gewesen, das Porto auf 29 Kronen (knapp 3,90 Euro) explodiert. Die dänische Post versendet übrigens täglich um die 600 000 Briefe – in Bayern werden jedes Jahr 1,7 Milliarden verschickt, also täglich 5,7 Millionen an Zustellungstagen.
Was die stationären Postfilialen betrifft, trügt der Schein. Zwar schließen klassische Postämter in eigenen Räumen, doch die Zahl der Postfilialen insgesamt steigt: 2009 gab es in Bayern 2970, letztes Jahr 5963 – vor allem dank zahlreicher in Ladenlokalen eingemieteter Partner-Agenturen. Wie Pilze aus dem Boden schießen automatische Poststationen, in Bayern gibt’s 168 Stück seit 2014. Die Automaten mit Briefmarkenverkauf, Info-Funktion und Packstation ersetzen bereits an vielen Orten die gesetzlich vorgeschriebene Filiale pro 2000 Einwohner, wie zum Beispiel in Maisach, Egling oder Eurasburg. Denn nicht immer findet sich ein Raum oder ein Partner für eine Filiale – wie etwa zurzeit in Trudering oder in Bernried am Starnberger See. „Die Einrichtung von Partnerfilialen insbesondere in ländlichen Gebieten mit wenig ausgeprägter Einzelhandelsstruktur ist sehr herausfordernd“, sagt Post-Sprecherin Sonja Radojicic, „wir müssen immer mit der Geschäftsaufgabe von Partnern rechnen.“ISABEL WINKLBAUER