Investor Erich Schwaiger könnte klagen. © Hess/ SZ Photo
Projekt-Entwickler und CSU-Stadtrat Hans Hammer.
Die neuen Eigentümer wollen an den ursprünglichen Umbau-Plänen festhalten. © Signa
Dauer-Baustelle im Herzen der Stadt: Jetzt besteht Hoffnung, dass an der Alten Akadmie endlich was passiert. © Oliver Bodmer
Die meisten würden vermutlich sagen: Endlich passiert was bei der Alten Akademie. Die Prestige-Immobilie in der Innenstadt hat einen neuen Besitzer. Wie berichtet, hat der Haushaltsausschuss des Landtags dem Verkauf des Grundstücks an die Heinz Hermann Thiele Familienstiftung, die von der Hammer AG von CSU-Stadtrat Hans Hammer als Entwickler begleitet wird, zugestimmt.
Zum Hintergrund: Die Alte Akademie war bis 2013 im Besitz des Freistaats. Der vergab das Ensemble mit einer Grundstücksfläche von 30 000 Quadratmetern für rund 240 Millionen Euro auf 65 Jahre in Erbpacht an die Signa-Gruppe aus Österreich – das Firmengeflecht des Immobilien-Unternehmers René Benko. Die Pläne sahen eine Mischnutzung aus Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Wohnungen vor. Die Bauarbeiten hatten im November 2020 begonnen und sollten 2023 abgeschlossen werden. Doch daraus wurde nichts. Die Signa meldete Insolvenz an – es kam zum Baustopp. Der ist seit nun fast zwei Monaten wieder aufgehoben. Nachdem Hammer und die Thiele-Stiftung ihre Kaufabsicht erklärt hatten und mit dem Insolvenzverwalter in exklusive Verhandlungen getreten sind, hatte dieser die Arbeiten im Erdbereich wieder anlaufen lassen.
Jetzt sind noch Kleinigkeiten zu klären: Rein formell nämlich hat der Haushaltsausschuss nur zugestimmt, dass der Staatsbetrieb Immobilien Freistaat Bayern (Imby) die Alte Akademie an dieStiftung verkaufen darf. Nun muss ein Vertrag ausgearbeitet werden. Insider gehen davon aus, dass dabei nichts mehr schiefgeht, da der Kaufpreis nicht verhandelt, sondern vom Freistaat auf Basis eines Gutachtens festgelegt worden ist. Dem Vernehmen nach sollen inklusive Erbpacht 179 Millionen Euro aufgerufen werden.
Der Prozess soll im ersten Quartal nächsten Jahres abgeschlossen sein. Dann soll es kleinere Umplanungen geben, die neuen Eigentümer möchten in den oberen Bereichen mehr Büros, weniger Einzelhandel. Grundsätzlich aber soll an den Ursprungsplänen festgehalten werden.
Ausschreibungen für die neu geplanten Arbeiten sollen vor dem Sommer erfolgen. Die Zeit drängt nicht, denn die Arbeiten im Erdbereich sind diffizil. Zum einen besteht die Gefahr, dass bei zu viel Bewegung im Boden Risse in den Bauwerken der S-Bahn-Stammstrecke entstehen oder sogar die Fassade einstürzt.
Der Umbau der Alten Akademie soll um die 220 Millionen Euro kosten und in fünf Jahren abgeschlossen sein. Falls das Projekt nicht noch Gerichte beschäftigen wird. „Der Wille zu klagen, ist weiterhin da“, sagt Rechtsanwalt Aribert Wolf. Der vertritt Investor Erich Schwaiger, der zuletzt mehrere Immobilien in der Innenstadt erworben und auch für die Alte Akademie ein Angebot abgegeben hatte. Das soll um zehn Millionen über dem Angebot des Hammer-Konsortiums liegen, war aber vom Insolvenzverwalter nicht berücksichtigt worden, da er Thiele und Hammer Branchenkennern zufolge die Umsetzung eher zugetraut hat und deswegen die Exklusivität eingeräumt hatte.SASCHA KAROWSKI