Spuren der Gewalt in Obersendling: Die Schüsse fielen am 2. Dezember. © Network Pictures
Nach dem Schusswaffengebrauch von Obersendling laufen die Ermittlungen von Landeskriminalamt und der Polizei auf Hochtouren. Letztere hat nun Hintergründe zu dem Vorfall vom 2. Dezember bekannt gegeben. Inzwischen ermittelt das Kommissariat 11 wegen versuchten Mordes gegen einen mutmaßlichen Drogendealer: Der 34-Jährige, der gegen 15.30 Uhr in einer Wohnung an der Constanze-Hallgarten-Straße verhaftet werden sollte, versuchte zu fliehen und steuerte seinen Wagen direkt auf einen Polizeibeamten zu. Daraufhin wurde auf den vielfach vorbestraften Mann, der mit Körperverletzungen, Diebstählen und Drogenverstößen aktenkundig wurde, geschossen. Er erlitt eine Verletzung am linken Unterarm.
„Inzwischen konnte er das Krankenhaus wieder verlassen“, sagt Polizeisprecher Christian Drexler. „Er befindet sich in einer Justizvollzugsanstalt.“ Offenbar hatte der Tatverdächtige am Dienstag vergangener Woche mitbekommen, dass sich Polizeikräfte der Sendlinger Wohnung nähern. Daraufhin eilte er in die Tiefgarage und versuchte wohl, noch rechtzeitig mit einem Auto zu fliehen. In der Wohnung, einem Kellerabteil sowie in von mehreren Tatverdächtigen genutzten Fahrzeugen fanden die Beamten fünf Kilogramm Amphetamin mit einem Wert von mindestens 100 000 Euro, etwa 50 000 Euro in bar, drei scharfe Waffen samt Munition, eine professionelle schusssichere Weste, mehrere Handys sowie gefälschte Pässe.
Mit wem der Münchner zusammengearbeitet hat, ist nun eine der Fragen, die es zu klären gilt. Dabei werden derzeit auch Verbindungen zu einem 39-jährigen Kroaten geprüft, der vergangene Woche nach umfangreichen Ermittlungen des Landeskriminalamtes, des Zollfahndungsamtes und der Staatsanwaltschaft festgenommen werden konnte. Ihm wird als Teil eines Netzwerkes internationaler Kokainhandel vorgeworfen. Der Zugriff erfolgte ebenfalls am 2. Dezember in der Fußgängerzone. Also an dem Tag, an dem es auch in Obersendling zum Einsatz kam.NADJA HOFFMANN